Ueber. ſittlich-religiöſe Bildung, als den hoͤchſten Zweck der Erziehung und des Unterrichts.
Zu allen Zeiten war man von der Wichtigkeit der Erziehung und des Unter⸗ richts für die Veredlung der Menſchheit überzeugt. Geiſtvolle und tugendhafte Männer haben ſich, ſo verſchieden auch die Smufen der Kultur ſein mögen, auf welchen ſie ſtehen, in Reden und Schriften über Erziehung vernehmen laſſen, um nicht nur zum Beſten ihrer Zeitgenoſſen, ſondern auch zu Nutz und Frommen der kommenden Geſchlechter zu wirken. So war in Sparta die ganze Geſetzgebung eine Erziehung der Jugend und der Nation; in der Erziehung wurzelte der ſpar⸗ taniſche Staat; ſie war der Nerv alles Lebens; auf ſie wurde, eben darum, weil ſie fur die erſte Grundlage des Staates ſelbſt galt, die größte Sorgfalt verwandt, und das Jugendleben nach den beſtimmteſten Vorſchriſten geregelt und gebildet, damit es körperlich und geiſtig ſich der dauerndſten Geſundheit erfreue. nd es beſchäftigten ſich in Sparta nicht bloß die Eltern mit der Erziehung der Kinder,— und dies beſonders die Muͤtter bis zum ſiebenten Jahre,— ſondern es bekuͤmmer⸗ ten ſich die Bürger überhaupt, ohne der Jugend beſonders vorgeſetzt zu ſein, an⸗ gelegentlich um die Lrziehung derſelben.
Platon und Ariſtoteles kommen darin überein, daß der Jüngling zur Gottes⸗ furcht, zur Tugend, zum Leben im Staate zu erziehen ſei, und daß er diejenigen Kenntniſſe erwerben polle, die er als ein freier Menſch, nicht gerade zum kuͤmmer⸗ lichen Broderwerbe brauche. Und das höchſte Ziel des griechiſchen Lebens in der unverdorbenen Zeit war Kalokagathie, ſchön und gut zu werden.„Welches „größere und beſſere Geſchenk,“ ſagt Cicero ¹),„können wir dem Staate bringen, „als wenn wir die Jugend belehren und unterweiſen? Beſonders bei ſolchen „Sitten und in ſolchen Deitem, wo ſie ſo tief geſunken iſt, daß ſie mit aller Macht
1) De divinat. II. 1& 2.
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