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lernt hat, zu denken, und aus dem eigenen Schatz von gewonnenen Woͤrtern und Redensarten ſchoͤpfeud ſich ſelbſtſtaͤndig auszudruͤcken.
Dieſes ſind die Hauptanſichten, welche der Hamilton'ſchen Methode zu Grunde liegen..
Jacotot befolgt in ſeinem Sprachunterricht ebenfalls die analytiſche
Methode, greift aber mit ſeiner Analyſe noch tiefer als Hamilton; er zerlegt naͤmlich auch die Woͤrter par décomposition, wie er das Verfahren nennt, ſo z. B. ſagt er:*) Jedermann verbindet mit dem Worte séducteur den richti⸗ gen Begriff, allein man iſt nicht darauf aufmerkſam, daß man mit dieſem Worte drei Dinge zugleich ausſpricht: 1) teur zeigt den Handelnden an, 2) due, bedeutet füͤhren, 3) se deutet an: bei Seite; ſo ſchließt alſo dieſe Analyſe einen ganzen Redeſatz in ſich: ein Verfuͤhrer fuͤhrt uns ab vom Wege der Ehre und der Tugend. Durch dieſe Analyſe ſoll nun eine große Erleichterung der Sprachkenntniß bewirkt werden, denn die unendliche Menge von Woͤrtern, welche im muͤndlichen und ſchriftlichen Gebrauche der Sprache vorkommen, entſpringen aus zwei bis drei Tauſend Wurzelwoͤrtern, und dieſe Wurzelwoͤrter ſelbſt laſſen ſich auf ſieben bis acht Hundert Wurzelſilben zuruͤck— fuͤhren, die dann auch wohl in dem kleinſten Werkchen z. B. in den erſten ſechs Buͤchern des Telemaque anzutreffen ſind; wer alſo dieſes Buch auswen⸗ dig weiß, ſo ziebt Jacotot den Schluß, der verſteht die Sprache. Das iſt der Sinn ſeines Ausſpruchs: Alles iſt in Allem(tout est en tout). So wie Jacotot bei dieſer Analyſe, um die Bedeutung der einzelnen Worttheile und Woͤrter zu behalten, nur das Gedaͤchtniß in Anſpruch nimmt, auf die naͤmliche Weiſe iſt es auch wieder das Gedaͤchtniß, und zwar mit Aus⸗ ſchluß des Verſtandes, dem er den Sinn der einer fremden Sprache eigenen Redensart zur Aufbewahrung anvertraut wiſſen will, z. B. gerere morem(Ge⸗ borſam leiſten) iſt eine Zuſammenſetzung von Worten, von dem Verſtande der Roͤmer erfunden, um einen beſtimmten Sinn auszudruͤcken, den die woͤrtliche Ueverſetzung ins Franzoͤſiſche porter la manière nicht ausdruͤcken wuͤrde; wer aber die fremde Sprache lernt, ſagt Jacotot, der hat darin nichts zu erfin⸗ den, ſondern nur das Erfundene ins Gedaäͤchtniß aufzunehmen, um Gebrauch von dem Gegebenen zu machen. Dergleichen Wortverbindungen gibt es nun in jeder Sprache eine Menge, die beſte Art und Weiſe, dieſelben ſich anzu⸗ eignen, iſt nach Jacotots Meinung, ein Buch auswendig zu lernen**), denn man kann den Sinn nicht mit Sicherheit errathen ohne die Kenntniß der Um⸗ ſtaͤnde, worin man von dieſen Woͤrtern Gebrauch macht. Man laſſe daher die Saͤtze auswendig lernen, nach und nach wird auch der Genius und der Ge⸗ drauch der fremden Sprache entraͤthſelt werden, und man wird endlich dahin gelangen, durch Nachahmung ſelbſt neue Ausdruͤcke zuſammenzuſetzen.
*) Enseignement universel— langue étrangère. Sixième édition. Paris. 1838. *) La meilleure manière de les(les combinaisons de mots) retenir est, selon nous, d'apprendre un livre par cocur. 3


