15
lemen, unter Anfuͤhrung des tapfern Kaled, gaͤnzlich geſchlagen; Syriens alte Hauptſtadt, Damaskus, ward nach langer Belagerung erobert. Alles ver⸗ ſuchten die chriſtlichen Prieſter und Moͤnche, um das Volk zum Widerſtand zu reizen. Nichts fruchtete, da man die fuͤr den neuen Glauben begeiſterten Strei⸗ ter ſah, die blind in den Tod gingen, im feſten Glauben, gleich nach dem Abſterben das Paradies zu betreten, und da auch die Behandlung der Chriſten unter denſelben nicht druͤckend war. Die Gleichſtellung der Beſiegten mit den Glaͤubigen, ſobald jene den Islam annahmen, bewirkte den Uebertritt der meiſten Syrer zu der Lehre Mohammed's, und wer auch ſeinen Glauben nicht verlaͤugnen wollte, zog es vor, den Arabern Tribut zu zahlen, als unter der druͤckenderen Herrſchaft des byzantiniſchen Kaiſers zu ſtehen. Einzelne Staͤdte vertheidigten ſich indeß ruhmlich, wie Jeruſalem, deren Belagerung wegen der Feſtigkeit der Stadt, und der religioͤſen Begeiſterung ihrer Vertheidiger langwierig war. Nach zweijaͤbrigem Kampfe und daraus erfolgter Bedraͤngniß kuͤndigte endlich der Patriarch der Stadt Sophronius dem arabiſchen Befehlshaber Abu Obeidab die Uebergabe an; jedoch unter der Bedingung, daß der Chalif ſelbſt erſcheinen ſolle. Sobald dieſes nach Mekka berichtet war, zeigte ſich auch Omar bereitwillig hierzu, weil Jeruſalem zu den heiligen Staͤdten gehoͤrte. Auf einem rothen Kameele rei⸗ tend und nur einen ledernen Sack mit Gerſtenbrod und Datteln bei ſich fuͤh⸗ rend, brach er an der Spitze ſeines Heeres auf und nahm(637) die Stadt in Beſitz; ſie wurde verſchont, nur tributaͤr; an der Stelle aber, wo, wie man behauptete, Salomons Tempel geſtanden, eine Moſchee erbaut. Darauf kehrte jener nach Mekka zuruͤck, indeß ſeine Feldherrn die Eroberung Syriens vollendeten.
Als Syrien, Palaͤſtina, Phoͤnicien gehorchten, erſchienen die Sa⸗ racenen auch zur See. Sie bauten Flotten, nahmen Phoͤnicier als Matroſen in Dienſt, pluͤnderten Cypern und Rhodos und machten ihren Namen auch in Seeſchlachten furchtbar. Und um ſie fuͤr den Seekrieg, an den ſie nicht ge⸗ wohnt waren, zu befeuern, wurden die Verdienſte deſſelben noch weit uͤber den Landkrieg erhoben ¹²).
Aber auch Perſien, deſſen Thron ſeit 632 der Saſſanide ²) Jeſded⸗ ſcherd III. beſaß, ward bekriegt. Den wuͤthenden Angriffen der Araber unter Othman viderſtanden ſeine Feldherrn nicht, und 642 wurde er ſelbſt, unweit des alten Ecbatana, bei Nerhawend entſcheidend geſchlagen. Dennoch gab er nicht die Hoffnung auf; er fluͤchtete an's caspiſche Meer und ſammelte bei den Staͤmmen der Turkomannen ein betraͤchtliches Heer; allein auch diesmal
¹)„Wer zur See nur den Kopf undreht, hieß es, hat ſo viel Berdienſt, als wer ſich zu kande in ſeinem Blute wälzt.“„Eine glückliche Seeſchlacht iſt gleich zehn Siegen zu lande.“.
²) Der Perſer Ardſchir Babegan oder Artaxerres, ein Sohn Saſſan's, hatte, zur Zeit des Kaiſers Alexander Severus, das Neu⸗Perſiſche Reich oder das Reich der Saſſaniden geſtiftet 226.


