Aufsatz 
Dia gynaikōn : ein Hymnus in homerischer Sprache zum hundertjährigen Gedächtnis der Königin Luise von Preussen / von ... Rothfuchs
Entstehung
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Die Sommerferien dauerten diesmal vom 3. 31. Juli.

Am 2. September fand in der Aula des Gymnasiums die Feier zum Andenken an die glor- reichen Erfolge des Krieges von 1870 71 und an die Wiederaufrichtung des deutschen Reiches Statt. Die Festrede hielt Oberlehrer Dr. Suchier.

Durch Allerhöchste Entschliessung vom 8. August geruhte Se. Majestät der Kaiser und König den Unterzeichneten, bis dahin 1. Oberlehrer am hiesigen Gymnasium, zum Director zu ernennen und wurde demselben von dem Herrn Minister der geistlichen etc. Angelegenheiten die Direction dieser Anstalt vom 1. October an übertragen(mitgetheilt durch Verfügung Königl. Prov.-Schulcollegiums vom 28. August). Gleichzeitig rückte in die dadurch erledigte 1. Oberlehrerstelle mit dem Titel Prorector der bisherige 2. Oberlehrer Dr. Flie dner auf.

Durch Verfügung vom 15. September gab Kgl. Prov. Schulcollegium Kenntniss von der mit Genehmigung des Herrn Ministers der geistlichen etc. Angelegenheiten erfolgten Berufung des Gym- nasiallehrers Dr. Rothfuchs in Marburg als Oberlehrer an unsere Anstalt. Ebenso wurde durch Erlass des Herrn Ministers der geistlichen etc. Angelegenheiten vom 20. September(mitgetheilt durch Verfügung Kgl. Prov. Schulc. vom 6. Oktober) der Oberlehrer Lichtschlag von dem Gym- nasium in Hedingen dem hiesigen Gymnasium zugewiesen. In Folge dessen wurde die Beauftragung des Practicanten Leiss zurückgezogen; doch übernahm derselbe mit dankenswerther Bereitwilligkeit einige Stunden über das ihm ordnungsmässig zukommende Mass, wodurch die Theilung der Secunda auch in den alten Sprachen möglich wurde.

Dr. Heinrich Julius Rothfuchs, geb. am 23. Juni 1838 zu Witzenhausen, besuchte das Gymnasium zu Hersfeld, wo er Ostern 1856 das Maturitätszeugniss erhielt. Hierauf studirte er in Marburg und Göttingen Philologie und Theologie, absolvirte vor der Prüfungscommission in Marburg im Juni 1859 die philologische Prüfung, vor der theologischen Fakultät daselbst im Dezember 1860 die theologische Prüfung, vor dem Generalsuperintendent zu Cassel im Januar 1861 das Tentamen und wurde im Februar 1862 von der philosophischen Fakultät zu Marburg zum Dr. phil. promovirt. Nachdem er schon Michaelis 1860 auf Grund des philologischen Examens an dem Gymnasium zu Marburg sein Probejahr angetreten hatte, wurde er Ostern 1861 daselbst mit Versehung einer Lehrerstelle beauf- tragt. Weihnachten 1861 übernahm er eine ordentliche Lehrerstelle am Grossherzoglichen Gymnasium zu Schwerin, von wo er Weihnachten 1863 an das Marburger Gymnasium zurückberufen wurde. Seitdem ist er an demselben thä- tig gewesen bis zu seiner Michaelis 1875 erfolgten Ernennung zum Oberlehrer am hiesigen Gymnasium. Ausser klei- neren Gelegenheitsschriften sind von ihm die beiden in den Marburger Gymnasialprogrammen von 1862 und 1875 er- schienenen Abhandlungen verfasst worden.

Anton Lichtschlag, kath. Confession, geb. den 3. April 1840 zu Düsseldorf, trat im Herbst 1849 in das dortige Gymnasium ein und verliess dasselbe im Herbst 1857 mit dem Zeugniss der Reife. In den nächsten 7 Se- mestern studirte er zu Münster Philologie und Geschichte und bestand ebendort um Ostern 1862 das Examen pro facultate docendi. Nachdem er an dem Gymnasium seiner Vaterstadt das Probejahr abgemacht und da rauf noch ein halbes Jahr als commissarischer Lehrer gewirkt hatte, wurde er in gleicher Eigenschaft im Herbst 1863 an das Gym- nasium Hedingen bei Sigmaringen versetzt und war an demselben bis zum Herbst 1875 thätig. Seine Ernennung zum ordentlichen Lehrer erfolgte unterm 18. September 1865, seine Beförderung zum Oberlehrer unterm 3. August 1872. Eine Anzahl grösserer und kleinerer Beiträge zur Specialgeschichte Hohenzollerns hat er in denMittheilungen des Vereins für Geschichte und Alterthumskunde in Hohenzollern(1868 75), sowie in den Hedinger Gymnasialpro- grammen von 1870 und 72 veröffentlicht.

Am 12. October wurde der unterzeichnete Director durch Herrn Provinzial-Schulrath Dr. Rum- pel in sein neues Amt eingeführt. In feierlicher Versammlung der Lehrer und Schüler der Anstalt ehrte der Vertreter der hohen Behörde zunächst in ergreifenden Worten das Andenken und die grossen Verdienste des verstorbenen Directors und legte dann dem Nachfolger desselben unter Ueber- reichung der Allerhöchsten Bestallungsurkunde seine neuen Pflichten warm ans Herz.