ſtuhl der Zeit arbeiten? Viele— und nicht bloß engherzige Frömmler— ſehen in dieſem Uebergewicht der rein materiellen Intereſſen, denen die beſten Kräfte der modernen Menſchheit dienen, eine Gefahr für die höheren, rein geiſtigen und ſittlichen Beſtrebungen, die am Ende von der niederen Sucht des Erwerbens und Genießens ſo überwuchert und erſtickt werden müßten, daß ſchließlich jede höhere Kultur verſchwinden werde. Daß dieſe Befürchtungen jedoch leer und unbegrün⸗ det ſeien, ließe ſich aus inneren Gründen unſchwer darthun. Da übrigens in allen Verhältniſſen am beſten„Zahlen beweiſen;“ ſo mögen aus der neueſten Statiſtik von Großbritanien als desjenigen Landes, wo die Fabrik⸗Induſtrie ſeit Langem die rieſigſten Proportionen angenommen hat, einige Thatſachen hier mitgetheilt werden, die wohl über manche Beſorgniß den Menſchenfreund zu beruhigen im Stande ſein dürften.
Es darf als ausgemachte Thatſache vorausgeſchickt werden, daß Großbri⸗ tanien die reichſten und am meiſten kultivirten Länder nicht blos in der Gewerbs⸗ induſtrie, ſondern auch in Erzeugniſſen der Landwirthſchaft bedeutend, oft um das Dreifache übertrifft. Der im Allgemeinen verbreitete größere Wohlſtand läßt ſich aus den Conſumtions⸗Tabellen über Fleiſch, Salz, Baumwolle und Eiſen⸗ waaren leicht erkennen. Nur der zwölfte Einwohner iſt in England ein Bedürf⸗ tiger, während in Belgien und Deutſchland der ſechſte, in Frankreich gar der vierte oder fünfte. Vom Jahr 1803 bis 1823 vermehrte ſich die Bevölkerung um 36 Proc., die Armentare nur um 27 Procent. Vom Jahr 1830 bis 1848 fiel die Tare um die Hälfte, ein Verhältniß, welches ſich in keinem andern Lande wiederholte.— Ueberraſchend groß ſind die Einlagen in die Sparkaſſen, die ſchon im Jahr 1837 300 Millionen Gulden, alſo auf jeden Kopf berechnet 16 Gulden betrugen, während in Frankreich nur 1 ½ Gulden, in Preußen noch weniger per Kopf zu berechnen war 12). Von da bis 1848 iſt die Zahl der Einlagen fortwährend, die Zahl der Einleger ſogar beinahe um das dop⸗ pelte, d. h. auf 1,062,920 gewachſen. Gleichzeitig waren die Geſchäfte der Pfandleihanſtalten in glücklicher Abn ahme begriffen; von 178 ſolcher im Jahr 1843 beſtehenden Anſtalten waren im Jahr 1848 noch 170 vorhanden.
¹²) Noch günſtiger geſtaltet ſich dieſes Verhältniß in der Schweiz. Auf ungefähr 2,340,000 Seelen zählte dieſes Land im Jahr 1835: 44 Erſparnißkaſſen mit 12000 Einlegern und 6,600,000 Franken Einlagen, dagegen am 1. Januar 1853 bereits 167 Kaſſen mit 181,000 Einlegern und einem Guthaben von mehr als 60 Millionen Franken. Die Schweiz, ſagt Spyri in ſeinem Aufſatz im Journal des Economistes von 1854, kann auf ihre Sparkaſſen ſtolz ſein, auf ein Inſtitut, das ſeine Wohlthaten ſo weit ausbreiten konnte, daß auf 13 Einwohner ein Sparkaſſen⸗Einleger ſich findet! Im Jahr 1835 fiel Einer auf 36 Einwohner. Damals betrug im Durchſchnitt die Einlage 8 Franken; heute hat ſich dieſe Ziffer auf 26 gehoben. Auf Einen Einleger kamen 1835 durchſchnittlich 288


