was haben wir denn in den Kapitalien, die der Unverſtand moderner Socialiſten glaubte zerſtoͤren zu müſſen, anders zu erkennen, als den erſparten Fleiß und den glücklichen Gewinn tüchtiger Generationen vor uns? In dieſem Punkt ſollten unſere Arbeiter ſich ja nicht von den landläufigen Meinungen beſtimmen laſſen, die in der Regel die Geldmacht als einen furchtbaren, gefahrdrohenden Gegner der arbeitenden Menſchenklaſſe mit Mißtrauen, wo nicht gar mit Haß zu betrach⸗ ten lehren, anſtatt dankbar der zahlloſen Segnungen der fortſchreitenden Civili⸗ ſation zu gedenken, die allein durch die Wagniſſe der Kapitaliſten ins praktiſche Leben eingeführt und für andere nutzbar gemacht werden können. Es iſt noch nicht lange her, ſeit man erfand die neuen feinen Wollzeuge zu bedrucken, die damals unter dem Namen Mouſeelines de laine auftraten. Dieſer Stoff war im Anfang Lurusartikel und kam im Preiße der Seide beinahe gleich. Jetzt hat man ſo viele wohlfeile Arten und Abarten davon, daß bereits die Dienſtboten ihn tragen. Kolonialwaaren gehörten noch vor hundert Jahren nur zum täg⸗ lichen Genuß der wohlhabenden; jetzt ſind ſie bis zu den unterſten Schichten ge⸗ drungen. Friedrich II., Preußens großer König, wollte noch nicht, daß ſchon Jedermann in ſeinem Lande Kaffe trinken ſollte,„zumal, da S. Königl. Majeſtät,“ wie es in der Verordnung heißt,„Höchſtſelbſt in Ihrer Jugendzeit mit Bier⸗ ſuppe auferzogen worden.“ Und jetzt? Europa allein verbraucht alljährlich über 200 Millionen Pfund gebrannten Kaffe, und die ärmere Klaſſe hat doch auch ihren ſchönen Antheil davon. Ein Geheimer Rath des Markgrafen Johann v. Brandenburg erhielt eines Tages(Cim Jahr 1596) von dieſem einen Verweis, weil er an einem Wochentage in ſeidenen Strümpfen zu ihm gekommen war. „Ei, ei,“ ſagte der Markgraf, ich habe auch ſeidene Strümpfe, aber ich trage ſie nur Sonn⸗ und Feſttags!“ Jetzt iſt kaum ein armes Taglöhnerweib, das nicht ein oder das andere Stück ſeines Anzugs aus dieſem Stoffe beſäße; jetzt verbraucht Preußen allein mehr als 1 Million Pfund verarbeiteter Seide jährlich und in dem einzigen, kleinen Kanton Zürich(45 Q. M.) ſtehen gegenwärtig 132 Seiden⸗ fabriken im ſchwunghafteſten Betrieb, die im Verlaufe des einen Jahres 1855 an 400,000 Kilogramm Seide verarbeiteten. So iſt kein Genuß, der irgend einer Menſchenklaſſe auf die Dauer vorbehalten bliebe; der Arme rückt dem Reichen Schritt vor Schritt nach und eine Generation ſchwingt ſich auf die Schultern der andern. Das ſind die Wege der Civiliſation, der ſich endlich alle Räume der Erde erſchließen müſſen; das zugleich die Endziele aller menſchheit⸗ lichen Bildung. Durch die Concurrenz, die Maſchinen, und das Kapital ſind dieſe Fortſchritte möglich geworden und vergeblich wären alle Anſtrengungen, die ihren allmächtigen Wirkungen Einhalt gebieten wollten.
Aber wo das hinauswolle, fragt man, mit der Vermehrung der Fabriken 1¹¹),
¹¹) Die jeweiligen Herrſchaften in Naſſauiſchen Landen haben vordem dieſen Manufacturin⸗


