Aufsatz 
Über gewerbliche Genossenschaften
Entstehung
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die durch Bildung und moraliſche Tüchtigkeit ausgezeichnetſte Klaſſe derſelden, die Handwerker, mit Zähigkeit an den früheren Einrichtungen feſthing. Wie jedoch die Ereigniſſe der Neuzeit auch den gewerbtreibenden Stand zu tieferem Nachdenken und ſelbſtſtändigerem Handeln veranlaßt haben und wie dieſe Regungen nach zwei entgegengeſetzten Seiten hin gerichtet waren und noch ſind, iſt oben auseinandergeſetzt. Indeſſen gilt auch hier ſchon ziemlich allgemein als leitender Grundſatz der der Selbſthülfe und zu ſpeziellen Aſſociationen zu beſtimmten wirthſchaftlichen und gewerblichen Zwecken ſind wenigſtens in mehreren Ländern, beſonders des nördlichen Deutſchlands, Anfänge gemacht worden ³) und das allge⸗

*) Die eifrigſte Anregung und umſichtigſte Förderung dieſer Intereſſen verdankt der gewerb⸗ treibende Stand den raſtloſen Bemühungen des ehemaligen Vorſitzenden der für ſeine An⸗ gelegenheiten von der Preuß. Nationalverſammlung 1848 eingeſetzten Special⸗Kommiſſion, H. Schulze. Wir entnehmen, um auch hier an einem Beiſpiel den Stand der Sache zu charakteriſiren, ſeinemAſſociationsbuch für deutſche Handwerker und Arbeiter, Leipz. 1853, das keiner, den es angeht, unbeachtet laſſen ſollte, in Kürze die Mittheilung über die Aſſociation der Schuhmacher in Delitzſch. Dieſelbe zählte bei der Stiftung 57, dermalen 71 Mitglieder, welchen in den letzten Jahren gerade die wohlhabenſten Meiſter beigetre⸗ ten ſind, weil ſie ſich überzeugten, daß ſie ihre Kapitalien, ſtatt ſie im eignen Geſchäft anzulegen, füglicher in der Aſſoc.⸗Kaſſe nutzen und ihr Bedürfniß doch ebenſo wohlfeil aus dem Aſſ.⸗Lager entnehmen konnten. Der Kredit der Geſellſchaft iſt ſeit der Stiftung nur geſtiegen und die ihr zugehenden Kapitalofferten können nicht ſämmtlich benutzt werden. Das Eintrittsgeld betrug für jedes Mitglied Anfangs 2 Thl., ſpäter 5 Thl. Der Be⸗ triebsfond beträgt etwa 2500 Thaler, wovon jedoch gegenwärtig nur etwa 2000 Thlr. Darlehensweiſe aufgenommen ſind, 114 Thlr. Einlagen den 57 Stiftern, und 414 Thlr. bisheriger Reingewinn, als ein im Geſchäft angelegter Reſervefond, der Geſellſchaft eigen⸗ thümlich gehören. Derſelbe wird mehr als dreimal jährlich umgeſetzt, was einen Material⸗ einkauf von etwa 8000 Thlr. ausmacht, der in der Hauptſache auf der Leipziger und Braunſchweiger Meſſe bewirkt wird. Die Dividende wird nicht nach Köpfen, ſon⸗ dern nach Verhältniß der von jedem Mitglied in die Aſſ.⸗Kaſſe für entnommene Waaren in der betreffenden Rechnungsperiode gezahlten Geldſummen berechnet, auch an die Mit⸗ glieder nicht baar aus der Kaſſe gewährt, ſondern ihnen in einem beſondern Konto nur gut geſchrieben, ſodaß die Gelder nach wie vor als ein Theil des Betriebskapitals von der Geſellſchaft genutzt werden, indem erſt, wenn das Guthaben jedes Einzelnen die Summe von 10 Thlr. überſteigt, die Herauszahlung des Ueberſchuſſes verlangt werden kann. Das ſolchergeſtalt gewonnene Guthaben der Einzelnen bildet ebenſowohl die erfor⸗ derliche Deckung wegen des ihnen zugeſtattenden Borgs, als die Entſchädigung der Kaſſe wegen des ihr dadurch entſtehenden Zinſenverluſtes, indem dasſelbe ja auch den Mit⸗ gliedern nicht verzinſt wird. Nach Abzug der Verwaltungskoſten wirft der Betriebsfond jährlich 10 12 Procent für die Kaſſe ab, wovon nur für den durch fremde Kapitalien gebildeten Theil desſelben, der ſich durch die Aufſammlung der Dividende und das Wach⸗ ſen des Reſervefonds je länger je mehr verringert, die Zinſen mit 5 Procent abzurechnen ſind. Schon nach 45 Jahren wird daher bei Allen, welche einigermaßen bedeutende Quantitäten von Material verbrauchen, das Guthaben die Normalhöhe erreicht haben.

Der billige Preiß und die vorzügliche Qualität des Rohſtoffs bilden immer den