Aufsatz 
Über gewerbliche Genossenschaften
Entstehung
Einzelbild herunterladen

ger Unſelbſtſtändigkeit, und die mit einzureichenden Mitteln eigne Geſchäfte unter⸗ nehmen, werden in der Regel ſehr bald von ihren reicheren Gewerbsgenoſſen er⸗ drückt, weil ſie mit ihnen eben nicht concurriren können. Dazu kommt, daß die Geſammtheit der Kapitaliſten den Arbeitern gegenüber im gemeinſamen, wohlver⸗ ſtandenen Intereſſe operiren, daß der ganze Verkehr von dieſem Verhältniß um⸗ ſponnen iſt, daß daher alle hiergegen ankämpfenden Unternehmungen, ſo lange ſie in ihrer Vereinzelung beharren, ſo ohnmächtig ſind, daß die Kapitaliſten als ſolche kaum eine Notiz davon zu nehmen brauchten. Der Unverſtand ſocialiſtiſcher Theo⸗ retiker hat von dieſem in humaner Beziehung allerdings empörenden Mißverhält⸗ niß ſehr oft den Anlaß genommen, dem Kapital als ſolchem den Krieg zu erklä⸗ ren, anſtatt daß es volkswirthſchaftlich allein richtig geweſen wäre, die Vor⸗ theile des Kapitals, das ja ohne die Arbeit ohnehin zu einem ſich ſelbſt verzehren⸗ den Conſumtionsmittel herabſinkt, auch den arbeitenden Klaſſen zugäng⸗ lich zu machen. Der ökonomiſche Werth aber jedes einzelnen Arbeiters, auch des unbemitteltſten, für die Geſellſchaft, iſt: ſeine Arbeitskraft. Da nun dieſe allein, der Zufälligkeiten wegen, denen ſie ausgeſetzt iſt, gewöhnlich nicht als genügende Sicherheit für eine Kapital⸗Anlage, für geſchäftlichen Kredit überhaupt gelten kann, ſo bleibt nichts anderes übrig, als daß die Arbeitskraft vieler ſich zuſammenrafft und einigt. Durch Aſſociation werden die Zufälle und das Miß⸗ lingen, denen der Einzelne ausgeſetzt iſt, auf die Geſammtheit übertragen und ſo durch ſolidariſche Verbindlichkeit eine wechſelſeitige Garantie geſchaffen, die den Gläubiger befriedigt, und im Verkehr den Werth einer Hypothek hat, da die Arbeitskraft ganzer, großer Verbände von Arbeitern der Geſellſchaft ebenſo unent⸗ behrlich iſt als Grund und Boden.

Solcher Vereinigungen ſehen wir nun ſchon längſt viele zu wirthſchaftlichen Zwecken in Thätigkeit, um größere Vorräthe von Lebensmitteln, von Brenn⸗ material u. dgl. für die ärmere Klaſſe zu beſchaffen und den arbeitenden Klaſſen eine billigere Lebenseriſtenz, einen billigeren Bezug der unentbehrlichen Rohſtoffe möglich zu machen. Dieſe Sparvereine, Konſum-Vereine und wie ſie heißen, bil⸗ den gleichſam die Grundbedingung, die den Arbeiter in Stand ſetzt, gut und billig zu produciren; allein um Abſatz und angemeſſene Preiße für ſeiner Hände Arbeit zu gewinnen, dazu reichen ſolche nicht aus. Dieſer letzte Zweck läßt ſich nur erreichen durch Genoſſenſchaften zum Gewerbebetrieb für gemein⸗ ſchaftliche Rechnung. Dadurch tritt nicht mehr der Einzelne, ſondern die Genoſſenſchaft dem Publikum als Producent gegenüber, ſie leiſtet die geſuchte Garantie für eine ausreichende Beſchäftigung aller, für Erzielung angemeſſener Löhne und Preiße. Sie kann ihren Verkehr ſo ausbreiten, daß es gelingt Maga zine fertiger Handwerkerwaaren, wie ſie das Publikum begehrt, zu errichten und mit den von der kommerziellen Speculation etwa ſchon errichteten Magazinen z. B. von Kleidern, Schuhen u. anderen vortheilhaft zu concurriren. Dabei treten die innungsgemäßen Einwirkungen auf Geiſt und Sinn der Mit⸗