Wenden wir uns nun dem Gegenstande zu, dem diese Blätter gewidmet sind, indem wir die einzelnen Bäume und Sträucher, die den Rechneigraben begrenzen, einer Betrachtung unterziehen. Es sind folgende:
1.1 Larix cedrus Mill. Libanon-Ceder.
Diese Ceder steht am westlichen Ufer, der Langestrasse zu, und macht sich trotz ihrer Jugend — sie ist 1852 gepflanzt worden— schon recht vortheilhaft unter den übrigen Anpflanzungen bemerklich. Sie hat bis jetzt noch keine Früchte getragen. Im Jahre 1878 haben sich zum erstenmale Blüten, aber nur männliche, daran gezeigt; im Jahre 1879 sind keine dagewesen. Ein kleines Exemplar befindet sich auch auf der Südseite.— Die Libanon-Ceder wächst gerade in die Höhe und kennzeichnet sich von Ferne schon durch ihre langen, fast rechtwinkelig abstehenden Aeste, wobei die Hauptäste Quirle bilden, während die Nebenäste zweireihig sind. Die dunkel- grünen Nadeln sitzen büschelig auf Kurzzweigen ähnlich wie bei der Lärche, welchem Baume sie auch unter unseren Nadelhölzern am nächsten verwandt ist. Die Ceder bleibt das ganze Jahr über grün; die Lärche aber wirft ihre Nadeln im Herbste ab. Auch ist die Zapfenbildung jener eine von diesem Baume verschiedene. Am Untermainqui ist einer Ceder in einem der letzten Winter die Spitze abgefroren. Ausser den genannten Cedern finden wir noch viele in Privatgärten dahier. Die zwei schönsten Exemplare stehen auf dem christlichen Friedhofe. Dieselben wurden im Jahre 1828 bei Anlegung des Friedhofes von dem damaligen Stadtgärtner Rinz gepflanzt; unter dem Schatten der einen befindet sich die Ruhestätte desselben. Diese Ceder ist die kräftigere. Ihr Stamm von 4 Meter Umfang theilt sich 40 Ctm. über der Erde in zwei gewaltige Neben- stämme mit einem Umfang von 2,15 und 1,19 M. in Brusthöhe. Wahrscheinlich ist die Spitze des Setzlinges in dem kalten Winter von 1829 erfroren, worauf diese Theilung erfolgte. Die Astbildung beginnt bei freistehenden Exemplaren, wie am Rechneigraben, in der Nähe des Bodens; auf dem Friedhofe hat man der Passage wegen die unteren Aeste entfernt. Die übrigen Aeste bedecken eine Kreisfläche von 16 Meter Durchmesser. Die Höhe des Baumes mag etwa 20 Meter betragen. Die zweite Ceder theilt sich ebenfalls fast unmittelbar über dem Boden, strebt etwas schlanker in die Höhe, ist aber weniger kräftig entwickelt. Die Friedhofscedern blühen alljähr- lich im Mai und erzeugen Früchte. Die Zapfen stehen aufrecht, sind braungefärbt, eiförmig mit dichtschliessenden Schuppen. Sie reifen im Herbste des dritten Jahres. Die Länge eines Zapfens beträgt nach meiner Messung 11, seine Dicke 6,5 Ctm. Die Zapfen fallen nicht ab; sie zerfallen vielmehr am Baume in die einzelnen Schuppen, welche den Boden ringsum bedecken. Die Samen sind bei unseren Exemplaren in der Regel taub. Nach Loudon² wurde die Ceder vor ungefähr 200 Jahren in England eingeführt und man sieht daselbst Bäume, so auf dem Landsitze des Earl of Wemisss in Gloucestershire, die 21 Fuss im Umfange haben. Die Ceder muss also, und das beweisen ja auch unsere Cedern, trotz ihrer Langlebigkeit ziemlich rasch wachsen. Ueber die ersten Cedern in Frankreich und der Schweiz schreibt mir Herr
¹Die Nummern entsprechen denen des Kärtchens.— ² Trees and shrubs, an abridgment of the Arboretum et Fruticetum britannicum. London 1875, Pag. 1058.


