— 5— worden sein;¹ möxglich aber auch, dass fremde Wasservögel den Samen hierher brachten, der
dann in dem Vogelsberger Wasser ein günstiges Fortkommen fand. Der Durchgang auf der Südseite von der Langestrasse nach der Obermain-Anlage datirt aus dem Jahre 1865. Das westliche Ufer längs der Langestrasse war 1818² noch mit Weinreben und später— bis 1852— mit Weidengebüsch bepflanzt. Wir finden daher auch die ältesten und kräftigsten Bäume auf der Nord- und Ostseite. Den Namen Rechneigraben erhielt der Weiher wohl von dem Graben, der sich ursprünglich an der Stelle der angrenzenden Rechneigrabenstrasse befand.
Zu jeder Tages- und Jahreszeit, so oft das Wetter es gestattet, gewahrt man Menschen an seinen Ufern. Bald fesselt das frische Frühlings- und Sommergrün in seinen verschiedenen Farbenabstufungen, bald der Duft der Blüten, bald die hochaufsteigende Wassersäule, in der: sich die Strahlen der Sonne brechen, bald endlich das in buntem Roth und Gelb prangende Herbstgewand die Vorübergehenden, nicht zu vergessen der Enten und Schwäne, an deren An- blick sich vorzugsweise die Kinder ergötzen. Vergebens suchen wir oft in Sommerfrischen, die nur mit Mühe und Kosten zu erreichen sind, einen Genuss, wie ihn uns an einem Sommerabend von einer Ruhebank aus der Rechneigraben gewährt, wenn es allmälig dunkelt und Alles stille wird und nur noch die Amsel von dem Wipfel eines Baumes ihr Abendlied flötet. Freilich den Schlag der Nachtigall hören wir nicht mehr; mit der bedeutenden Ausdehnung der Stadt ausserhalb der Anlagen sind die grossen Gärten und heimlichen Büsche immer mehr verschwunden und mit ihnen die Nachtigallen, die sonst nicht selten bei uns waren. Aber auch im Winter bietet dieser Punkt mannichfache Reize. Die eigenartige Architectur der vielen Baumspecies kommt erst nach deren Entlaubung zur vollen Geltung und bald darauf kleiden sich Aeste und Zweige in Schnee, zwischen welchem hindurch sich das Laub der immergrünen Bäume bemerklich macht. Und hat gar der Winter etwas strenger und stetiger seine Herrschaft bei uns aufgeschlagen, so dass das Eis die erforderliche Dicke erreicht hat“, dann ist der Weiher von Hunderten fröhlicher Menschen belebt, die auf der glatten Bahn sich an dem gesunden Vergnügen des Schlittschuhlaufens erfreuen.
Für unsere Schule ist der Rechneigraben von besonderer Bedeutung. Er ist nur 156 Schritte vom Schulhause entfernt und die meisten unserer Zöglinge gehen täglich mehrmals an ihm vorüber. Es liegt sehr nahe, dass der Lehrer der Naturkunde oft die Gelegenheit wahrnehmen wird, bei seinem Unterrichte auf das sich dort bietende Material hinzuweisen. Möchte diese Skizze unsere Schüler zu genauerer Betrachtung der dort befindlichen Bäume und Sträucher anregen! Gleichzeitig hege ich den Wunsch, dass eine berufenere Feder sich durch diese Arbeit veranlasst fühlen möge, unsere sämmtlichen Anlagen uns durch eine eingehende Beschreibung näher zu bringen.*
¹ Diese Pflanzen tragen keineswegs zur Verschönerung des Weihers bei; irrig aber ist die Ansicht, dass sie das Wasser verderben und dadurch die Luft verpesten. Das thun lebende Pflanzen nicht. Anders verhielte sich's, wenn man die abgestorbenen Pflanzen sich von Jahr zu Jahr anhäufen liesse, was aber thatsächlich nicht der Fall ist.— ²2 Kirchner, Ansjchten I. 22.— ³ Eine nicht geringe Schuld mag auch den Katzen zugeschrieben sein, welche den Vögeln im Allgemeinen in bedenklicher Weise nachstellen und namenutlich den niedrig nistenden, also den Nachtigallen, verderblich werden.— ¹ Der Rechneigraben darf erst bei einer Eisdicke von 6 Zoll eröffnet werden.— ⁵ Es wüäre sehr dankenswerth, wenn die Behörden, die so Vieles für den Unterricht thun, die Kosten für zweckmässig anzubringende Schildchen, worauf Name und Heimat jedes Baumes oder Strauches deutlich gedruckt sind, bewilligen wollten.


