Aufsatz 
Frankfurt am Main als Arbeitsfeld für Unterricht und Erziehung; Licht und Schatten
Entstehung
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Frankfurt am Main als Arbeitsfeld für Erziehung und Anterricht; Licht und Schatten.

Der Grundgedanke, der in den folgenden Blättern ausgeführt werden ſoll, ließe ſich etwa folgendermaßen ausdrücken: Es iſt nothwendig, daß der Lehrer und Erzieher ſein beſonderes Arbeits⸗ feld kennen lerne, daß er die Vortheile, die dasſelbe bietet, ausnütze, und daß er dem Ungünſtigen, das er auf dieſem Felde antrifft, entgegenzuwirken ſuche. Es hätte hiernach vielleicht auch eine allgemeinere Überſchrift gewählt werden können, etwa:Über den Einfluß der örtlichen Verhältniſſe auf Unterricht und Erziehung, oder:Wie kann der Lehrer und Erzieher die örtlichen Verhältniſſe einerſeits benutzen, andrerſeits unſchädlich zu machen ſuchen? Aber ich glaube, daß es oft paſſender und wirkſamer iſt, das, was man zu ſagen hat, an ein einzelnes beſtimmtes Beiſpiel zu knüpfen. Wer den geſchilderten Verhältniſſen nahe ſteht, mag zuſehen, ob ſie richtig aufgefaßt ſind, und prüfen, ob das Geſagte gerade an dem beſtimmten Orte in der angegebenen Weiſe in Anwendung zu bringen ſei. Wer dagegen ferner ſteht, kann die Verhältniſſe mit den in ſeinem Kreiſe gegebenen vergleichen und vielleicht doch aus Manchem auch eine Anregung für ſein Wirken gewinnen. So habe ich bei der Bearbeitung meiner Anweiſung zum Unterrichte in der Heimatskunde(1844; 2. Aufl. 1866) ein beſtimmtes Beiſpiel genommen, das meines damaligen Wirkungskreiſes, Weinheim an der Bergſtraße, und ich weiß, daß das Büchlein auch Solchen lieb geworden iſt, die mit Weinheim in keiner Beziehung ſtehen; ſo nehme ich hier mein jetziges langjähriges Arbeitsfeld, Frankfurt am Main, meine Vaterſtadt. Manches von dem, was geſagt werden wird, gilt, iſt es überhaupt richtig, für unſer ganzes deutſches Vaterland, Vieles wenigſtens für einen bedeutenden Theil desſelben.

Wer einen Acker kauft, um ihn zu bebauen, muß deſſen Boden und die da waltenden Witterungsverhältniſſe genau kennen lernen, ſonſt wird er auch die beſte Saat vergeblich ſäen. Er kann ſich wohl bemühen, den Acker nach und nach zu verbeſſern, aber ihn ganz umändern, ſo daß z. B. aus einem ſandigen ein Lehmboden werde, oder gar aus nördlichem Abhang Südabdachung machen, dazu iſt er nicht im Stande; und vorerſt wenigſtens muß er den Boden nehmen, wie er eben iſt.

Ähnlich der Lehrer und Erzieher. Wer zwar ſeiner Pflicht Genüge zu thun meint, wenn er nach einem beſtimmt zugeſchnittenen Reglement unterrichtet oder wenn er in jeder Stunde einen Paragraphen ſeines Leitfadens behandelt, der wird ſich nicht bemühen, ſein Arbeitsfeld genauer kennen zu lernen, denn dieſe Kenntniß hätte ja auf ihn und ſein Unterrichten keinen Einfluß. Aber er wird es auch erleben müſſen, daß ſein Lehren wirkungslos iſt. Der wahre Lehrer weiß, daß er an Gegebenes anknüpfen muß, an Anſchauungen, die ſeine Schüler ſchon mitbringen, an Vorſtellungen