43
II. Chronik des Gymnasiums.
Der Kursus des Schuljahres 1880— 81 begann am 6. April 1880.
An demselben Tage wurde der mit Erteilung des katholischen Religionsunterrichts beauftragte Kaplan Wilhelm Ney(siehe Progr. von 1880 pag. 13) sowie der durch Verf. Kgl. Prov. Schulc. vom 10. Februar 1880 dem hiesigen Gymnasium zur Ableistung des Probejahrs überwiesene Schul-
amts-Kandidat Peter Gerlach in ihre Funktionen eingeführt.
Wilhelm Ney, geboren am 9. August 1847 zu Fulda, machte seine Vorstudien am bischöflichen Seminar daselbst, wurde nach Beendigung derselben Ostern 1868 in den philosophischen und Ostern 1869 in den theologischen Kursus genannten Seminars aufgenommen, am 30. April 1871 zum Priester geweiht und am 3. April ej. nach bestandenem Approbationsexamen als Kaplan zu Hanau angestellt. Von Herbst 1871 bis Ostern 1876 war er an der katholischen Volksschule daselbst als provisorischer Lehrer thätig.
Peter Gerlach, geboren am 16. März 1853 zu Fulda, besuchte bis Ostern 1874 das dortige Gymnasium und studierte dann bis Michaelis 1877 in Leipzig, München und Marburg Philologie und Geschichte. Im Februar 1879 bestand er auf letzterer Universität das Examen pro facultate docendi.
Am gleichen Tage starb nach längerem Krankenlager im elterlichen Hause zu Mittelbuchen bei Hanau ein hoffnungsvoller, wohlgesitteter Schüler, der Obersecundaner Karl Walther, Sohn des dortigen Pfarrers; der unterzeichnete Direktor, der Ordinarius und der Religionslehrer der Ober- secunda sowie die Schüler dieser Klasse gaben ihm am 10. April das letzte Geleite.
Am 15. April starb nach langem Leiden der Diener des Gymnasiums Karl August Gerhardt, nachdem er seit Juli 1874 mit der grössten Pflichttreue sein Amt verwaltet hatte. Am 18. April geleiteten ihn Lehrer und Schüler zur letzten Ruhe.— Die erledigte Pedellenstelle wurde mit Genehmigung Kgl. Prov. Schulc. dem Fussgendarmen Justus Brede aus Homberg übertragen, welcher seinen Dienst am 1. November antrat.
Am 30. Juni starb nach längerem Leiden im elterlichen Hause zu Batten Kr. Gersfeld der Unterprimaner Wilh. Vilmar, Sohn des dortigen Oberförsters, nachdem derselbe kaum ein halbes Jahr dem Gymnasium angehört hatte.
Die Sommerferien dauerten vom 5. bis 31. Juli.
Bei der Sedanfeier am 2. September hielt die Festrede Gymnasiallehrer Dr. Wackermann.
Am 10. September wurde unter dem Vorsitze des Königlichen Commissarius, Herrn Provinzial- Schulrat Dr. Rumpel die mündliche Prüfung der Abiturienten vom Sommerhalbjahr 1879 vorge- nommen, nachdem die schriftliche Prüfung vom 23. bis 28. August stattgefunden hatte.
Durch Verf. Kgl. Prov. Schulc. wurde der bisherige Hülfslehrer Dr. August Eigenbrodt zum ordentlichen Lehrer am Gymnasium zu Cassel befördert. Gleichzeitig wurde der Schulamts- Kandidat Joseph Stanger mit Versehung einer Lehrstelle am hiesigen Gymnasium beauftragt. Der- selbe wurde beim Beginn des Wintersemesters am 11. October in seine hiesigen Funktionen eingeführt.
Joseph Stanger, geboren am 9. Januar 1846 zu Fulda, besuchte bis Ostern 1868 das dortige Gymnasium, widmete sich dann nach erlangtem Reifezeugnis auf dem bischöflichen Klerikalseminar daselbst dem Studium der Theologie, von da bis Ostern 1872 auf der Universität zu Marburg dem der Philologie. Nachdem er im März 1878 das Examen pro facultate docendi bestanden, trat er Ostern ej. sein Probejahr am Gymnasium zu Montabaur an;
von Michaelis 1878 bis Ostern 1879 war er dann am Gymnasinm zu Marburg, von da bis Ostern 1880 wieder an dem zu Montabaur beschäftigt.
8*


