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ſchreibens der neuen Straßennamen Heinrichſtraße und nicht Heinrichsſtraße heißt.
Doch mögen die mit männlichen Vornamen zuſammengeſetzten Straßennamen ein s erhalten, zumal auch eine anerkannte Au⸗ torität auf ſprachlichem Gebiet ſich dafür ausgeſprochen hat.
An mancher Straßenecke iſt auf den Schildern zwiſchen die beiden Wortteile ein Bindeſtrich geſetzt, in derſelben Straße auch wieder nicht; wir leſen: Martins⸗Straße, Martins Straße, aber auch Martinsſtraße. In den mit weiblichen Vornamen zuſam⸗ mengeſetzten Straßennamen wird oft die Form des Weſſenfalls gewählt, einen eingeſchoben(Luiſenſtraße). Die meyhrteiligen Straßennamen werden in einem Wort(Herdweg), in zwei(Hei⸗ delberger Straße) oder in drei Wörtern(Ernſt⸗Ludwigs⸗Platz) geſchrieben.— Äber das s, den Bindeſtrich und die Teilung der Namen in mehrere Wörter ſind die Meinungen geteilt. Die Bürgermeiſterei beſitzt ein dickes Aktenbündel über die Schrei⸗ bung der Straßennamen.
Ich bin mir bewußt, daß ich es mit meiner Schreibung nicht allen recht gemacht habe, aber es hat mich das Beſtreben ge⸗ leitet, möglichſt gleichmäßig zu ſein, mit möglichſt wenig Binde⸗ ſtrichen recht deutlich zu werden und die amtliche Schreibung in der Regel zu geben. Drum ſchreibe ich die mit einem Fami⸗ liennamen oder mit einem Vornamen zuſammengeſetz⸗ ten Straßenbezeichnungen in einem Wort, wie es eben auf den Straßenſchildern vielfach üblich iſt und wird; doch ſchreibe ich Wienerſtraße, damit nicht ein Fremder glaubt, der Taufpate hieße Wieners, wenn er Wienersſtraße lieſt. Daß man an eine Benen⸗ nung nach der Stadt Wien denkt, fürchte ich nicht. Die Ruths⸗ ſtraße heißt doch auch nach dem Bürger Ruths und nicht nach Ruth. Auch ſonſt erſcheinen möglichſt viele Straßennamen in einem Wort, doch in 2 Wörtern ohne Bindeſtrich, wenn der erſte Teil ein Eigenſchaftswort oder eine mit einem Ortsnamen ge⸗ bildete unveränderliche Wortform auf er iſt; mit Bindeſtrich erſcheinen die dreiteiligen Namen.
Ich ſchreibe alſo z. B.: Schuſtergaſſe, Bleichſtraße, Mathil⸗ denſtraße, Ohlyſtraße, Hobrechtſtraße, Karlsſtraße, aber: Große Ochſengaſſe, Grüner Weg, Roßdörfer Straße, und mit Binde⸗ ſtrichen: Landgraf⸗Philipps⸗Anlage, Otto⸗Wolfskehl⸗Straße.
Dieſe Schreibungen entſprechen den von Duden in ſeiner „Rechtſchreibung“(9. Auflage, S. 15) aufgeſtellten Regeln, die nach den Grundſätzen des„Allgemeinen Deutſchen Sprachvereins“ feſtgeſetzt ſind, ſowie den Beſtimmungen unſerer Stadtverwaltung und den Verfügungen der Behörden. Nur in wenigen Fällen trage ich der in unſerer Stadt üblichen Ausſprache Rechnung, wenn ich z. B. Langgaſſe ſtatt Lange Gaſſe ſage.
Im Jahre 1898 habe ich über viele Taufpaten der Darm⸗ ſtädter Straßen in meinen„Beziehungen berühmterLeute zu Darmſtadt“ manches zuſammengeſtellt. Dann habe ich im


