Aufsatz 
Darmstädter Straßenbüchlein
Entstehung
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Nach dem letzten Adreßbuch von 1927 gibt es in Darmſtadt 278 Straßen, Plätze, Gaſſen, Wege, Ninge, Anlagen und Alleen. Von dieſen haben 12 keine Häuſer: es ſind 6 Plätze, die von bebauten Straßen eingeſchloſſen ſind, und 6 Straßen, die noch nicht bebaut ſind, in denen alſo keine Häuſer ſtehen. Aus dieſem Grunde fehlen in dem Adreßbuch auch 6 ſchon früher benannte Straßen, die ich aber auch angeführt habe, um auch der Zukunft etwas Rechnung zu tragen.

Das Recht der Namengebung ſteht heute allein der

Stadtverordnetenverſammlung zu, früher wurde die beabſichtigte Benennung dem Landesfürſten zur Genehmigung oder Zuſtim⸗ mung vorgelegt. EinEingeſandt in einer Tageszeitung wird manchmal berückſichtigt. Infolge des Weltkriegs wurden 33 Straßenbenennungen, die 1914 1918 von der Stadtverordnetenverſammlung beſchloſſen wa⸗ ren, vorläufig nicht eingeführt und die Namen erſt am 12. 12. 1918 veröffentlicht.

Nicht alle Vorſchläge, die für Straßenbenennungen gemacht worden ſind, die Anregungen einzelner oder die Eingaben meh⸗ rerer konnten berückſichtigt werden. Eine reiche Auswahl von Namen ſteht den Ausſchüſſen der Stadtverordnetenverſammlung noch zur Verfügung.

Nicht immer fanden die Straßennamen den Beifall der An⸗ wohner. Es ſei nur an die Bemühungen vom Februar 1902 erinnert, den NamenIm Geißenſee wieder abzuändern. SchonAm Geißenſee hätte den dortigen Hausbeſitzern beſſer gefallen. Ähnliches ließe ſich für die StraßeIm tiefen See ſagen. Man ſoll die an für ſich berechtigte Benennung von Straßen nach Gewannen nicht übertreiben und nicht Bezeich⸗ nungen wählen, die einen ſchiefen Sinn geben oder wie z. B. Im Emſer heutzutage vollkommen unverſtändlich ſind, wäh⸗ rend andere Gewannbezeichnungen doch ohne weiteres einiger⸗ maßen eine Deutung zulaſſen..

In der Faſſung der Darmſtädter Straßennamen herrſcht zur Zeit noch eine große Mannigfaltigkeit. Zum Troſt mag es uns dienen, daß es in anderen Städten nicht beſſer iſt. Nach und nach ſcheinen aber unſere Straßenſchilder eine einheitliche Schreibung der Straßennamen zu erhalten; jetzt werden hier⸗ für Frakturbuchſtaben gewählt. Das Beſtimmungswort hat manch⸗ mal amtlich, beſonders bei älteren Straßennamen, ein s, z. B. Heinrichsſtraße, wenn auch kein Menſch in Darmſtadt ſo ſagt, weil ſich hier, wie in ähnlichen Fällen, dasvolkstümliche Sprach⸗ gefühl ſo, nämlich für die Schreibung ohne 8, entſchieden hat (vergl. Amtliches Merkblatt von 1914).

Bemerkenswert iſt, daß es in der Kabinettsorder des Groß⸗ herzogs an das Miniſterium des Innern vom 31. 7. 1859 wegen Benennung neuer Straßen und in der Verfügung der Bürger⸗ meiſterei an den Stadtbaumeiſter vom 17. 8. 1859 wegen An⸗