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Betrügereien und Lügen aufs verderblichste wirken muß. Ferner bildeten diese Stunden die bei weitem wirksamste und sicherste Kontrolle darüber, daß die für die einzelnen Klassen vorgeschriebene Anzahl von häuslichen Arbeitsstunden nicht durch zu zeitraubende Aufgaben überschritten wurde. Und wir können zu unserer Freude sagen, daß, wie sich im Laufe dieses Halbjahrs gezeigt hat, die Aufgaben fast ausnahmslos in der betreffenden Frist bewältigt werden konnten, manchen Schülern sogar bisweilen noch Zeit zu freiwilligen Repetitionen und Vorarbeiten auf andre Tage blieb.
Endlich noch eins! Diese Arbeitsstunden haben die Lehrer, die sich der nicht geringen Mühe der Beaufsichtigung unterzogen, manchen unerwarteten Einblick in die Fähigkeiten einzelner Schüler thun lassen, manchen Einblick, zu dem bei dem Unterricht selbst keine Möglichkeit geboten war. Der eine, dem man eine leichte Lern- und Fassungsgabe zugeschrieben hatte, ließ erkennen, daß ihm das Verständnis von etwas neuem erst allmählich kam; ein andrer, der wohl für fleißig, aber schwerfällig angesehen wurde, bewies, daß er in seinen Arbeiten bisher nur leichtfertig gewesen war. Das ist ein Punkt, der für die Behandlung des einzelnen Schülers beim Unterricht und für die Beurteilung seiner Leistungen die wertvollsten Fingerzeige giebt und daher von großer Bedeutung werden muß.
Fassen wir zum Schluß noch einmal die gemachten Erfahrungen zusammen, so können wir sagen, daß die Schüler, die an den Arbeitsstunden teilgenommen haben— und das waren natürlich meist solche, die dem Unterricht bisher nicht mit dem erwünschten Erfolge beigewohnt hatten— in hohem Grade gefördert sind. Um jedoch etwaigen Mißverständnissen vorzubeugen, halten wir die Bemerkung nicht für überflüssig, daß leidlich begabte und fleißige Schüler, die die Arbeitsstunde nicht besuchten, zu Hause aber keine Arbeitshindernisse fanden, den Teilnehmern an der Arbeits- stunde gegenüber, wie auf der Hand liegt, nicht zurückgekommen sind.
Zur diesjährigen Maturitätsprüfung haben sich vier Abiturienten gemeldet. Die schriftlichen Arbeiten wurden anfangs Februar gefertigt. In der am 11. März unter Vorsitz des Herrn Geheimen Oberschulrats Becker abgehaltenen mündlichen Prüfung sind sämtliche vier Examinanden bestanden. Es sind dies: 1) Karl Bagge, aus Frankfurt, Studium neuere Philologie; 2) Hermann Fuldat, aus Grünberg, Studium Theologie; 3) Theodor Vömel, aus Maxsain, Studium Theologie; 4) Reinhard Walz, aus Lich, Studium klassische Philologie.
Der Gesundheitszustand von Lehrern und Schülern war im vergangenen Schuljahr befriedigend.
Von mehreren Herren, die einen Leseverein gebildet hatten, dem Oberamtsrichter Römheld, den früheren Kollegen Dr. Mohr und Schöttler und einigen noch an der Schule wirkenden Lehrern wurde der Schülerbibliothek ein wertvolles Geschenk zugewendet, nämlich: Vier Bände„Deutsche Revue“, ein Band„Lützows Zeitschrift für bildende Kunst“, ein Band„Aus allen Weltteilen“, ein Band„Leipziger IIlustrierte Zeitung“, ein Band„Deutsches Familienblatt“, ein Band„Vom Fels zum Meer.“ Wir sagen hierfür den gütigen Gebern den gebührenden Dank.


