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4. Zur Chronik der Realſchule.
Am 17. Mai 1867 verließen die Schule mit dem Zeugniß der Reife,
nachdem ſie die oberſte Klaſſe durchlaufen hatten, folgende Schüler:
1. Otto Alewyn, 15 ½ Jahre alt;
2. Ferdinand Schloſſer, 15 Jahre alt;
3. Theodor Walter, 14 Jahre alt. In ihren Abgangszeugniſſen erhielten zwei die Nummer I, einer die Nummer II. Einer der Abgegangenen iſt in die Handelsſchule zu Frankfurt a. M., einer in das Gymnaſium zu Büdingen, der dritte als Kaufmannelehrüeng in ein hieſiges Geſchäft eingetreten.
Nach Mittheilung der Ober⸗Poſt⸗Direktion zu Darmſtadt vom 9. Januar ſteht den Schülern unſerer Anſtalt, welche deren oberſte Klaſſe ein Jahr lang mit gutem Erfolg beſucht haben, die Berechtigung zu als Poſtexpedienten⸗ Anwärter in den Poſtdienſt einzutreten.
Die Aufſichtsſtunde wurde im abgelaufenen Schuljahr von durch⸗ ſchnittlich 28 Schülern beſucht und hat auf die meiſten derſelben den erwarteten wohlthätigen Einfluß in vollem Maße geübt.
Das verfloſſene Jahr brachte uns mehrfache Veränderungen in unſerem Lehrperſonal, darunter eine der traurigſten Art. In der Nacht vom 15. auf den 16. Auguſt 1867 erlag der ſeit Juni 1866 an unſerer Realſchule als Lehrer der neueren Sprachen wirkende brodoriſche Heurlehren Richard von Reichlin⸗ Meldegg einem Herzleiden, das ihn ſchon längere Zeit vor ſeinem Tode in ſeinen dienſtlichen Obliegenheiten vielfach behindert hatte. Der Verſtorbene, ein reichbegabter, mit vielſeitigen Kenntniſſen ausgerüſteter Mann, ſtand im Krftisſütn Mannesalter— er war 1830 in Regensburg geboren. Lehrer und Schüler der Anſtalt gaben ihm bei ſeiner am 18. Auguſt erfolgten Beerdigung das Geleite zu ſeiner letzten Ruheſtätte. Möge er ruhen in Frieden!— An die Stelle des Verlebten war bereits am 15. Auguſt der Kandidat des höheren Lehramts Herr J. Manefeld aus Mainz eingetreten und bekleidete dieſelbe bis zum 11. Okto⸗ ber v. J., wo er durch Großherzogliche Oberſtudien⸗Direktion an die Realſchule zu Alsfeld verſetzt und der Kandidat Wilhelm Klingelhöffer aus Butzbach mit der Verwaltung der erledigten Stelle betraut wurde. Aber auch Herr Klingelhöffer war nur kurze Zeit an unſerer Anſtalt thätig, da er bereits am 16. Dezember ſeine Stelle niederlegte, um in ſeine früheren, ihm liebgewordenen Verhältniſſe nach Paris zurückzukehren. Die beiden Abgegangenen hatten ſich in der kurzen Zeit ihrer hieſigen Thätigkeit die Achtung und Liebe der übrigen Lehrer, wie ihrer Schüler, erworben und einen, wie den andern ſahen wir ungern von uns ſcheiden. Die unterdeſſen zur Wiederbeſetzung ausgeſchriebene Stelle eines zweiten Lehrers der neueren Sprachen wurde am 13. Januar dem Dr. Hugo Wayder aus Rasdorf im ehemaligen Kurfürſtenthum Heſſen, ſeit⸗ her Lehrer an einer Privatſchule zu Kirberg bei Wiesbaden, übertragen, der dieſelbe am 15. ejusd. antrat. 1
Wie gewöhnlich fanden auch während des verfloſſenen Schuljahrs wieder öftere Ausfluͤge einzelner Klaſſen unter Leitung ihrer Lehrer ſtatt und trugen zur Befeſtigung eines freundlichen, vertrauensvollen Verhältniſſes zwiſchen Lehrern


