Aufsatz 
Mitteilungen aus der Geschichte des Gymnasiums zu Rinteln
Entstehung
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war durch ein Telegramm eine lebhafte Kundgebung der Anhänglichkeit an das Gymnaſium hier⸗ her gelangt. Nach Verkündigung dieſer aus der Ferne gekommenen Beglückwünſchungen folgten Geſänge, Declamationen und Reden von Schülern. Sodann hielt der Direktor die Feſtrede, in wel cher er zuerſt an die hohe Bedeutung des Tages der Feier erinnerte, der als der Jahrestag der Reformation Luthers, und der kirchlichen Union in Preußen für viel weitere Kreiſe als für die hie⸗ ſige Stadt und die hieſige Schule ſegensreich geworden ſei. Er gab dann eine kurze Darſtellung der Entſtehung des Gymnaſiums und wies nach, wie ſchon der Ort, die Zeit und der Anlaß der Entſtehung die Aufgaben deſſelben vorgezeichnet haben: der Ort, das alte Univerſitätsgebände, die Aufgabe wiſſenſchaftlicher Bildung; die Zeit, der dritte Säculartag der Reformation, die Aufgabe der Weckung und Pflege evangeliſchen Sinnes und Lebeus; der Anlaß, die Vertreibung der franzö⸗ ſiſchen Fremdherrſchaft, die Aufgabe, eine Pflanzſtätte treuer Vaterlandsliebe zu ſein. Nachdem ſo⸗ dann derer gedacht worden, welche ſich um das Gedeihen der Anſtalt verdient gemacht und die Er⸗ füllung jener Aufgaben unterſtützt haben, wendete er ſich zu dem Jubilar, ſprach ihm den wärmſten Dank aus für das, was er ein halbes Jahrhundert hindurch der Anſtalt geweſen ſei, und erflehte für ihn und das Gymnaſium an dem Jubeltage beider Gottes gnädigen Beiſtand zu dem ferneren Werke wiſſenſchaftlich tüchtiger und chriſtlich frommer Jugendbildung. Mit dem Choral:nun danket alle Gott wurde die Feier beſchloſſen. Nachmittags fanden ſich die Feſttheilnehmer zu einem gemein ſchaftlichen Mahle zuſammen, bei welchem das erſte Hoch Seiner Majeſtät dem Könige, dem Schirm herrn auch des hieſigen Gymnaſiums, ausgebracht wurde. Dann folgten Trinkſprüche auf das Gym⸗ naſium, auf den Jubilar, auf Anweſende und Entfernte bald in ernſtem, bald in heiterem Tone. Die wiederauflebenden Jugenderinnerungen alter Schulfreunde, die ſich hier zum Theil nach vieljäh riger Trennung wieder zuſammen fanden, gaben dem Mahle neben der überall herrſchenden frohen Stimmung den Charakter inniger und gemüthvoller Herzlichkeit. Mehrere Tage ſpäter folgte ein Feſtball, zu welchem die hieſige Stadt das Local und einen Theil der Koſten gewährt hatte. Wegen der Nähe des Bußtages hatte er nicht mit der Jubiläumsfeier ſelbſt verbunden werden können. Da⸗ mit ſchloß eine Feier ab, die, wenn auch ihr Schluß heiter und fröhlich war, doch auf die Jugend die Zeuge derſelben war, nicht ohne ernſte und nachhaltige Wirkung geblieben ſein kann.

Wegen der Weihnachtsferien blieb die Schule vom 23. Dezember bis zum 2. Januar einſchl. geſchloſſen.

Am 23. Dezember wurden ſämmtliche Lehrer auf die Preußiſche Verfaſſung beeidigt, mit Ausnahme des Ge. Kutſch, deſſen Beeidigung 8 Tage ſpäter Statt fand.

Durch allerhöchſte Entſchließung vom 10. Februar iſt der Gymnaſiallehrer Dr. Eyſell da⸗ hier zum Direktor des Gymnaſiums in Hersfeld ernannt worden mit der Beſtimmung, daß er ſein neues Amt am 1. April anzutreten habe. Unſere Anſtalt ſieht in ihm einen Lehrer ſcheiden, der hier in mehr als 30jähriger eifriger und erfolgreicher Wirkſamkeit ſich um das Wohl der Schule großes Verdienſt erworben hat. Möge er ſich an dem neuen Berufsorte, zu dem er von hier über⸗ geht, glücklich fühlen und ſeine Thätigkeit daſelbſt eine reich geſegnete ſein.