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EXxkurs zu S. 12.
Nach der Kunde von der Vernichtung dreier Legionen im Teutoburger Walde glaubte man in der ersten Aufregung nicht nur allgemein, daß die Germanen sich alsbald mit den aufständischen Pannoniern verbinden würden, sondern der sonst so klar und nüchtern denkende Augustus fürchtete sogar, sie würden nach Italien, ja in die Stadt Rom selbst einfallen: r re ueꝓ†ιιστον dπι να 0cνzxṽ Fανeuu— raναemν rij s Péunv ατiνν guαν σ⁵άάς ταροσεννσ(Dio LVI 23,1). Von den Pannoniern aber sagte er im Senat»decimo die, ni caveretur, posse hostem in urbis Romae venire conspectum«(Vell. II 111, 1). Wie war es möglich, daß solche Befürchtungen aufkamen, die zu den Ereignissen in keinem Verhältnisse standen? daß man von Armin, wie Velleius II 120, 5 sagt, eine Erneuerung des cimbrischen und teutonischen Schreckens erwartete? Aus diesen zwei Namen ist die Frage zu beantworten. Neben der Vorstellung von dem Glück und der Unverletzlichkeit der ewigen Roma kannten die Römer eine unbestimmte Empfindung, daß die Völker des Nordens ihnen dereinst verderblich werden würden. Diese Vorstellung finde ich nirgends besprochen, obwohl schon die berühmten Worte des Tacitus reichlich Gelegenheit dazu geben:»maneat quaeso duretgue gentibus si non amor nostri at certe odium sui, quando urgentibus iam imperii fatis nihil iam] praestare Fortuna maius possit quam hostium discordiam«(Tac. Germ. 33). Sie entstand aus der Erinnerung an die Zerstörung Roms durch die gallischen Scharen des Brennus. Es ist nicht zufällig, daß Livius die Erzählung dieses Krieges mit den- selben Worten beginnt, die wir soeben bei Tacitus fanden:»Jam urgentibus Romanam urbem fatis«(V 36, 6). Verstärkt wurde diese Empfindung durch die gewaltigen Völkermassen, mit welchen später die Cimbern und Teutonen bis über die Alpen gelangten. Man denke auch an den Schrecken der sonst so tapferen Soldaten Caesars vor den Germanen des Ariovist(Caes. B. G. I 39). Verstärkt wurde sie ferner durch die innere Zerrissenheit der Republik, die es dahin brachte,»ut aliorum imbecillitate, non nostra virtute valeamus«(Cic. de off. II 75). Hier- nach wird es eher verständlich, daß sich Augustus, natürlich nur in der ersten Erregung, zu solcher Furcht hinreißen ließ. Und mehr noch that dies der seiner selbst oft nicht mächtige Gaius(Caligula), der als er von einem unbedeutenden Aufstand in Germanien hörte, sich zur Flucht rüstete»uno solatio acquiescens, transmarinas certe sibi superfuturas provincias, si vickores Alpium iuga ut Cimbri, vel etiam VFrbem ut Senones quondam occuparent«(Sueton. Calig. 51). Solche Stimmung benutzten auch wohl die gallischen Druiden, die in dem Brande des Capitols 68 n. Chr. ein Zeichen sahen,»possessionem rerum humanarum Transalpinis gentibus portendi« (Tac. Hist. IV 54). Aus diesen nur leichthin zusammengebrachten Stellen, die sich gewiß sehr vermehren lassen, erkennt man, daß in den obigen Worten der Germania nur einer schon lange bestehenden Empfindung Ausdruck gegeben, sie aber nicht, wie manche meinen, selbst als ein prophetischer Ausdruck der Erwartung jenes nun bevorstehenden Untergangs des Reiches durch die germanischen Stämme zu betrachten ist, welcher durch den Einfall der Markomanen in Oberitalien unter Marcus Aurelius nochmals näher gerückt und mit der Völkerwanderung
vollendet wurde.


