Aufsatz 
Die Idealisierung der Naturvölker des Nordens in der griechischen und römischen Literatur
Entstehung
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Die Germanen bei Sallust.

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andere ist bei beiden Völkern verschieden. Die Skythen nomadisiren, die Deutschen haben feste Wohnsitze(Tac. 16; domos figunt, dadurch unterschieden von den»Sarmatis in plau- stro equoque viventibus«: Tac. 46); ja sie sind im Frieden sehr gern in ihrem Hause(c. 17). Die Skythen kleiden sich ganz in Felle oder sind bracati, so dass nur das Antlitz frei bleibt(Just. Mela),*) die Deutschen tragen ein sagum oder kleine Felle, sind aber zu Hause intecti(Sall. H. III 57 K. Tac. 17.;»magna corporis parte nuda« Caes. VI 21). Das weinähnliche Getränk der Germanen wird aus Gerste(Tac. 23), das der Skythen aus der sauren Frucht des Speierlingbaumes(Verg. G. III 380) bereitet. Die Skythen werden regiert, die Germanen berathen in Volksversammlungen(c. 11). Jene nur schiessen mit vergifteten Pfeilen. Jene baden stets warm, diese in den Flüssen kalt. Und so liesse sich wohl noch anderes anführen, um zu zeigen, dass Tacitus auch wo er mit der Schilderung der Scythen übereinstimmt, nicht etwa scythische Sitte unbesehen auf die Germanen über- trägt. Dazu kommt, dass er gerade in einzolnen Punkten, wo er von jenen abweicht, mit Caesar's Germanenschilderungen zusammentrifft, so was die Kleidung und die Nahrung angeht. Ich musste dies hier constatiren und nochmals hervorheben, dass demnach die Aehn- lichkeit zwischen Tacitus und den drei Beschreibungen der Skythen eine theils rein zufällige (man hat sogar Stellen angeführt, welche nur in den Worten ähnlich, im Inhalt aber ganz verschieden sind:*r) solche Stellen zu besprechen halte ich für unnöthig), theils durch die Sache selbst sich mit Nothwendigkeit ergebende ist, um den Standpunkt anzudeuten, den ich in der folgenden Untersuchung einnehmen werde.

Denn es ist jetzt die Zeit, eine Ansicht zu erörtern, welche sich vielfach Bahn ge- brochen hat, seitdem sie zuerst 1853 von Kritz(ed. Sallustii III p. 238) kurz aufgestellt, dann 1859 von Rudolf Köpke***) in geistvoller Weise vertheidigt wurde: die Ansicht nämlich, welche aus den erwähnten Aehnlichkeiten der Germanen des Tacitus und der Seythen des Justin, Horaz und Vergil die Folgerung zieht, alle die genannten Schriftsteller müssten aus einer und derselben Quelle geschöpft haben, welche so abgefasst gewesen sei, dass sie für Germanen und Scythen gleichmässig zu gelten schien; diese Quelle aber seien die Historiae des Sallust gewesen, welcher bei der Erzählung der von den nördlichen

*) Wird auch später nur von den Skythen angeführt, z. B. bei Seneca epp. 90.

**) So ². B. Wiedemann(s. u.) S. 175 bringt Tac. 23, 2 mit Justin. I S, 7 zusammen: aber jener enthält eine allgemeine Bemerkung über die Trunksucht der Germanen, dieser erzählt nur einen Einzelfall von Trunkenheit der Skythen.

***) R. Köpke, Die Anfänge des Königthums bei den Gothen(Berlin 1859) S. 208 226. Einzelne Punkte sind vervollständigt von Th. Wiedemann, Veber eine Quelle von Tacitus Germania, in: Forschungen zur deutschen Geschichte, Bd. IV 1(Göttingen 1864), S. 171 194, vgl. auch C. Breuker, Quo iure Sallustius Tacito in deseribendis Germanorum moribus auctor fuĩsse putetur(Programm des Friedr. Wilh. Gymnasiums zu Köln, 1870); eine Fortsetzung dieser Abhandlung, welche eine Widerlegung der Ansichten Köpke's und Wiedemann's enthalten sollte (p. 4), ist meines Wissens noch nicht erschienen. Baumstark S. 100 ff. erklärt sich gegen diese Hypothese.

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