Aufsatz 
Die Idealisierung der Naturvölker des Nordens in der griechischen und römischen Literatur
Entstehung
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Herodot.

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licher, wenn sich bald zeigen wird, dass man eine andere pythagoreische Forderung, nämlich die der Gütergemeinschaft, ebenfalls bei den Skythen verwirklicht glaubte. So wirkten zeitgenössische Motive ein; vgl. noch Herodot über die Argempäer, s. u.

Ehe wir zu der ausführlichen Beschreibung der Skythen durch Herodot übergehen, gebe ich eine Uebersicht der bisherigen Entwicklung. In der Ilias finden wir: ein sehr gerechtes Volk, die»Abier«, Stutenmelker, Käseesser. Bei Hesiod ist der Name der Skythen und das Wohnen auf Wagen(Nomadisiren) hinzufügt. Hesiod und die homerischen Hymnen kennen die fernen Hyperboreer. Während Anakreon die rohe Trunksucht der Skythen bereits tadelt, preist Aeschylos die gerechten, käseessenden Skythen und die gerechten, gastfreundlichen Gabier, welchen das Gefilde ohne Arbeit die Ernte gewührt. Dadurch nähern sie sich den glückseligen Hyperboreern, welche Aeschylos, Pindar und Hellanikos preisen, welche kein Fleisch essen(Hell.), und welche an den Rhipäen und den Quellen des Istros wohnen(Aesch. Pind.). So nimmt die Idealisirung allmählich speciellere Züge an, welche aber in dieser glücklichen Zeit nur dem Bedürfniss- nach bedeutsamen, grossartigen Anschauungen zu entspringen scheinen und nirgends eine satirische Tendenz, d. h. die Absicht, in dem fernen besseren Volke nur den bewussten Gegensatz des eigenen schlechteren Volkes zu schildern, verrathen.

Der Zeit der Marathonskämpfer folgte die ihres Darstellers, des Herodot. Ihm verdanken wir die erste eingehende Beschreibung der Skythen IV 1 ff. sowie eine solche des Hyperboreerglaubens in Delos IV 32 35. Letzteren gegenüber steht Herodot auf dem Standpunkte ungläubigen Zweifels, den er damit begründet, dass die Skythen, von welchen sie nördlich wohnen sollten, nichts von ihnen zu erzählen wissen»ausser vielleicht die Issedonen«(32). Schon mit diesem Zusatz verlässt er aber den Boden sicherer Kenntniss. Denn wer sind die Issedonen? Ueberall scheint man sie(z. B. auch Ukert S. 33, 569 ff.) als ein wirkliches Volk zu betrachten. Und doch wie zweifelhaft ist dessen Be- glaubigung! Zuerst erwähnt sie der Dichter Alkman, derselbe, der das sagenhafte Rhipäen- gebirge zuerst nennt, um 660 v. Chr., also in einer Zeit, wo man von dem tiefen Innern des Nordens noch nichts wissen konnte, unter dem Namen Aoοσmεσευνειςσ(fg. 135 B.). Ihm folgt Herodots phantastischer Gewährsmann Aristeas der Prokonnesier, von welchem die seltsamsten Wunderereählungen umliefen(Her. IV 14 f.), in dem Epos Agiuασεα. Darin erzühlte er von sich selbst das Wunderbarste, u. a. auch dass er in Apollinischer Begei- sterung(οι*ενααμαα οο τενμ⁴ενοο 13) zu den Issedonen gekommen sei, den fernsten Erd- bewohnern, die man erreichen könne(13, 16), und von diesen das Weitere gehört habe. Auf dieser poetischen Fiction basirt nun Herodots Schilderung der entlegensten Völker(13): sie spricht aber nicht für, sondern gegen die historische Wahrheit derselben. Spätere versetzten die Issedonen bald hier- bald dorthin, Ptolemäos zuletzt in den äussersten Osten nach Serika, von welchem Lande Herodot noch keine Ahnung hatte. Hat also, was Herodot über die Issedonen und von diesen aus über ihre Nachbarn sagt, keinen historischen Boden, sondern muss es in unserer Darstellung als Phantasie des Aristeas angesehen