„Die Käuber“.
Gegen die„Räuber“ ergriff die Kritik fast einstimmig Partei. Nicht ungestraft sollte der junge Feuergeist Lessings und Shakspeares Erbschaft angetreten und dem griechisch-französi- schen Drama den Fehdehandschuh hingeworfen, nicht ungestraft der Moral Hohn gesprochen und das Herannahen eines politi- schen Gewitters angekündigt haben.—„Wäre ich Gott gewesen, im Begriffe die Welt zu schaffen“, so äusserte sich bekanntlich nach Eckermanns Aufzeichnungen ein Scepterträger Göthe gegen- über,„und ich hätte in diesem Augenblicke vorhergesehen, dass Schiller's„Räuber“ würden geschrieben werden, ich hätte die Welt nicht erschaffen“. Und im Chore variirte eine zahlreiche Höflings- schaar dieses fürstliche Verdammungsurtheil. Mit einem solchen hielten aber auch die Moralprediger nicht zurück, erblickten sie doch in den„Räubern“ ein Spiegelbild aller Laster und Abscheu- lichkeiten. Die Aesthetiker aus der Schule der Franzosen endlich vermissten sowol in der Anlage des Stückes wie auch in der Charakterzeichnung die nach der Poetik des Aristoteles angefer- tigte Schablone, vermissten sowol die drei Einheiten, wie auch einen Abklatsch der sogenannten Natur.
Nach der ersten Mannheimer Aufführung der„Räuber“ liessen sich über dieselben zahlreiche Journale vernehmen, da- runter das„Pfälzische Museum“, das„Tagebuch der Mannheimer Schaubühne“,¹) Nicolai's„Allgemeine deutsche Bibliothek“, die„Erfurtische gelehrte Zeitung“ die„Neue Bibliothek derschönen Wissen- schaften“, und das„Württembergische Repertorium der Literatur“, und zwar mit einer einzigen Ausnahme sämmtlich mehr tadelnd als lobend.
In dem„Pfälzischen Museum“²) widmete dessen Redacteur A. Klein, Präsident der„kurpfälzischen deutschen
¹) Herausgegeben von dem kurpfälzischen Hauptmann Trierweiler. ²) Jahrg. 1783 S. 225— 290. Fasst vollständig wiederabgedruckt bei Arnold Schloenbach im Schillerbuch, Dresden, 1860, S. 167 ff.


