Aufsatz 
Schillers Dramen im Lichte der zeitgenössischen Kritik
Entstehung
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Dramen aus der Periode der Reife wurden nämlich von der Geschmacksherberge theilweise ganz ignorirt, theilweise(Jung- frau von Orleans undWallenstein) pietätlos zerpflückt.

Ausser diesen Literaturblättern beschäftigten sich von den älteren Journalen auch die meistengelehrten Zeitungen ab und zu mit der Beurtheilung schönliterarischer Neuigkeiten. Den ersten Rang unter den Zeitschriften dieser Art behaupteten noch immer die 1739 gegründetenGöttingischen Anzeigen.¹) Den Ruhm der Unparteilichkeit, welchen sich dieselben unter Haller's Leitung erworben, wahrten sie sich bis in das neue Jahrhundert, und daneben zeichneten sich ihre Recensionen grösstentheils auch durch Gründlichkeit und Richtigkeit der Be- urtheilungen aus. Die Verbindung, welche damals zwischen Hannover und England bestand, führte der Göttinger Bibliothek die Werke der englischen Literatur so schnell und reichlich zu, wie keine andere Bibliothek in Deutschland dieselben empfing. So aber kam es, dass dieGöttinger Anzeigen nolens volens die Vermittlerrolle zwischen der heimischen Literatur und der englischen spielten und die Führerschaft unter den deutschen Schülern der englischen Meister gewannen. Schiller's Dramen der zweiten Periode erfuhren in denGöttinger Anzeigen sämmtlich die ihnen gebührende Würdigung.

Mit dem Jahre 1785 tauchte am journalistischen Himmel ein neuer Stern auf, welchem eine glanzreiche Zukunft beschieden war: dieAllgemeine Literaturzeitung. Sie ward von Wieland und Bertuch gegründet²) und von Prof. Schütz in Jena, dem mit Geschmack ausgerüsteten Philologen, mit Eifer und Gewandtheit redigirt. Anfangs freilich wurden in ihr die neuen literarischen Erscheinungen grösstentheils kurz abgefertigt und zwar im Sinne der Wielandschen Schule; als jedoch 1788 Schiller, L. F. Huber und W. v. Humboldt Beiträge zu liefern begannen, lenkte die Zeitung in würdigere Bahnen ein, und bald erfuhr alles Bedeutende in ihren Spalten eine unpar-

¹) Göttingische Zeitungen von gelehrten Sachen, 1739 1752. Göttin- gische Anzeigen von gelehrten Sachen, unter Aufsicht der königl. Gesell- schaft der Wissenschaften, 1753 1801. Göttingische gelehrte Anzeigen, unter der Aufsicht ff. 1802 u. ff. Vgl. Heinrich Albert Oppermann. Die Göttingischen gelehrten Anzeigen während einer hundertjährigen Wirksam- keit, Hannover 1844.

²) Vgl. über die Geschichte ihrer Gründung K. W. Böttiger a. a. O. I, 265, 269 ff. 3