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englischen Dramas, zwischen den Parteigängern des Aristoteles und denen Shakspeares bis zum Funkenstieben entbrennen sehen; wir werden endlich aber auch mit gehobener Brust Zeugen davon sein, wie sich der Genius Schillers durch das dichteste Schlacht- gewühl hindurch unaufhaltsam seinen Siegesweg bahnt, fast mit jedem Schritte, den er vorwärts thut, wachsend, wie an künstle- rischer Grösse, so auch an Ansehen bei Freund und Feind, bis an seiner Gruft nahezu das ganze literarische Deutschland sich um die von ihm aufgepflanzte Fahne schaart, um die Fahne des modernen deutsch-nationalen Dramas.
Allein nicht leicht ist es, jener Blätter ansichtig zu werden, in denen ein nunmehr ausgestorbenes Geschlecht Schiller auf seinem Entwickelungsgange als Dichter mit prüfenden Augen begleitet. Noch hat keine kundige Hand sie alle gesammelt, die Urtheile, welche die zeitgenössische Kritik über sein poetisches Schaffen gefällt; die Journale, in denen sie einst niedergelegt wurden, sind entweder gänzlich verschollen oder ruhen vergraben im Staube der Bibliotheken, und nur wenige von ihnen hat literar-historischer Forscherfleiss der Vergessenheit entrissen. Von Schiller's Biographen und Commentatoren haben Hinrichs und Palleske den Anfang, wenn auch nur einen bescheidenen, damit gemacht, die zeitgenössische Schillerkritik unserer Gene- ration ins Gedächtnis zurückzurufen; ¹) ausserdem hat Arnold Schloenbach im„Schillerbuche“²) mehrere zeitgenössische Beurtheilungen von Schillers Jugenddramen aus rheinischen Blättern reproducirt, Dr. Constanz Wurzbach von Tannen- berg in seinem rühmlichst bekannten„Schillerbuche“³) auf ver- schiedene Fundorte der hier in Frage kommenden Schillerkritik hingewiesen, das Berliner Wochenblatt„die Station“¹) einige Theaterreferate aus der Vossischen und Spener'schen Zeitung wieder an das Tageslicht gezogen und die„Schlesische Zeitung“5) endlich aus meiner Feder eine kleine Blumenlese von hiehergehörigen Beurtheilungen Schiller'scher Dramen ver- öffentlicht.
.») Joh. Scherr dagegen erfüllt mit seinem Buche über„Schiller und seine Zeit“ die Erwartungen, welche dieser pomphafte Titel erregt, keineswegs. ²) Dresden, 1860, S. 166 ff. ³)„Festgabe zur ersten Säcularfeier von Schiller's Geburt“. Wien, 1859. 4) Jahrg. 1872, Nr. 19. ⁵) Jahrg. 1872, Nr. 439 und 440.


