Einleitung.
Zur Geschichte des Frankfurter Gymnasiums.
Eine lange verschollene Schrift soll hier der Offentlichkeit übergeben werden. Dass sie einer Auferstehung gewürdigt wird, mag manchem unnôõtig erscheinen. Aber bei denen, die unserer Anstalt eine freundliche Teilnahme schenken, darf sie wohl einige Beachtung beanspruchen. Denn sie bedeutet für unsere Schule den Beginn einer neuen Blüte nach tiefem Verfall. Auch giebt sie einen unmittelbaren Einblick in eine vielbewegte, der Erörterung der Schulfrage eifrig zugewandte Zeit und scheint geeignet, sowohl ein kulturgeschichtliches, als auch durch Vergleich mit unseren Zuständen ein augenblickliches Interesse zu erregen.
Das Sendschreiben des Rektors Hirtzwig an Balthasar Mentzer ist zu der Zeit ver- fasst, als nach den Erschütterungen des Fettmilchschen Bürgeraufstandes(1612—1616) das Frankfurter Gemeinwesen allmählich sich wieder beruhigte und in die früheren Staats- formen zurücklenkte. Man wird wohl nicht fehl gehen, wenn man den tiefen Verfall, in dem wir unser Gymnasium am Anfang des siebzehnten Jahrhunderts finden, mit der all- gemeinen Korruption der Regierenden und mit den politischen Unruhen in ursächlichen Zusammenhang bringt. Der Mangel einer geachteten und festen Obrigkeit und die fort- währende Aufregung der Bürgerschaft musste in jedem Falle einen ungünstigen Einfluss auf das Leben der Schule ausüben. Sie pflegt ja das Abbild der allgemeinen Verhältnisse des Staatswesens zu sein, dem sie angehört. Nun war der Rektor Magister Adelarius Cravelius, der von 1599 bis 1615 dem Gymnasium vorstand, durchaus nicht der Mann, solchen Einflüssen entgegenzuwirken, er erweist sich vielmehr nach den vorliegenden Akten als eine Persönlichkeit von höchst bedenklichem Charakter, die in einem ge- ordneten Staate sich nicht lange auf ihrem Posten hätte behaupten können. Seiner eigen- händigen Verteidigungsschrift gegen Anklagen seiner Schüler entnehmen wir das Ge- ständnis, dass er sich aus den Almosen der armen Chorschüler, die dieselben durch
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