Zisle und Wege des naturwissenschaftlichen Unterrichts
von
Dr. Heinrich Reichenbach, Oberlehrer.
Über den naturwissenschaftlichen Unterricht in theoretischer Beziehung ist schon so viel Gutes und Brauchbares geschrieben worden, dass es schwer sein dürfte, Neues auf diesem Gebiete zu bringen. Der Verfasser hat sich daher entschlossen, keine wissenschaftlich-pädago- gische Abhandlung zu schreiben, sondern schlicht und einfach aus seiner nunmehr bald fünfund- zwanzigjährigen Lehrerpraxis seine Erfahrungen mitzuteilen und Wünsche oder Forderungen zu besprechen, wobei es Gelegenheit genug geben wird, zu allgemeinen Fragen Stellung zu nehmen. Ganz speziell stellte er sich die Aufgabe, über den Betrieb des Unterrichts in den Naturwissen- schaften an der Anstalt, an welcher er seit länger als 10 Jahren wirkt, seine Erfahrungen mit- zuteilen. Denn er glaubt nicht nur, dass er dadurch das Interesse seiner früheren und jetzigen Schüler und deren Eltern, sowie der Freunde der Anstalt, an der er wirkt, in höherem Grade gewinne, sondern er darf sich auch der Hoffuung hingeben, daß seine Kollegen an einem Bilde aus dem Schulleben mehr Gefallen finden, als an theoretischen Erörterungen.
Einleitung.
Die Adlerflychtschule zu Frankfurt a. M. wurde gegründet im Jahre 1876 als eine Realschule mit achtjährigem Kursus, die 1887 in eine mit siebenjährigem umgewandelt wurde. Seit diesem Jahre galt es in den naturwissenschaftlichen Lehrfächern wie in den übrigen, nach den damals erlassenen Lehrplanen für die höheren Schulen zu verfahren. Dieselben enthalten nachfolgende Vorschriften:
Naturbeschreibung. In der Botanik: Anleitung zur Beobachtung und Beschreibung einzelner Pflanzen; Kenntnis des Linné'schen und eines natürlichen Systems, genauere Bekannt- schaft mit den wichtigsten natürlichen Familien der einheimischen Flora; Kenntnis der wichtig- sten Erscheinungen aus dem Leben der Pflanze.
In der Zoologie: Anleitung zur Beobachtung und Beschreibung einzelner Vertreter der verschiedenen Klassen; Kenntnis der wichtigsten Ordnungen der Wirbeltiere und Insekten; Kennt- nis vom Bau des menschlichen Körpers.
In der Mineralogie: Kenntnis der wichtigeren Krystallformen, sowie der physikalischen Eigenschaften und der chemischen Zusammensetzung der bekanntesten Mineralien.
Physik. Sichere Kenntnis der wichtigsten Erscheinungen und Gesetze aus den ver- schiedenen Zweigen der Physik, sowie der mathematischen Herleitung der wichtigeren Gesetze auf den Gebieten der Mechanik, der Optik und der mathematischen Geographie.
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