c. 600 Schüler zählte, 30 ſolcher Freiſtellen theils an Schüler, welche der Anſtalt bereits angehörten, theils an ſolche, welche aus den hieſigen Bürgerſchulen eintraten, auf geſchehene Anmeldung vergeben.
Am 9. Juni, dem Allerhöchſten Geburtstage Sr. Königlichen Hoheit des Großherzogs, ſowie am 25. Auguſt, dem Allerhöchſten Namenstage deſſelben blieb die Schule geſchloſſen. Ebenſo wurde der Jahrestag der Schlacht bei Sedan, ſowie der 22. März als der Allerhöchſte Geburtstag Sr. Majeſtät des deutſchen Kaiſers durch Ausſetzen des Schulunterrichtes gefeiert. Am 9. Juni und am 22. März betheiligten ſich die Lehrer der Realſchule, ſowie die Schüler der oberen Klaſſen an dem Gottesdienſte ihrer betr. Religionsgemeinden; der 2. September wurde durch eine am Tage vorher in den einzelnen Klaſſen abgehaltene Schulfeier eingeleitet.
Wegen großer Hitze wurde der Unterricht ſiebenmal von 2—3 Uhr und zweimal am ganzen Nachmittag ausgeſetzt. Am 21. Februar d. J. mußte, da bei dem hohen Waſſerſtande des Mains das Souterrain mit Waſſer angefüllt war, ſo daß nicht geheizt werden konnte, der Unterricht den ganzen Tag ausgeſetzt werden. Auf Faſtnacht(29. Febr.) blieb die Schule am Nachmittag geſchloſſen.
Außer den üblichen kleineren Spaziergängen einzelner Klaſſen wurden einige größere Ausflüge gemacht. Prima, Ober⸗ und Unter⸗Secunda gingen unter Führung der Herren Dr. Landmann, Walther, Dr. Schön, Maul und Vogt über Darmſtadt und Nieder⸗ Ramſtadt nach dem Frankenſtein, Jugenheim, Seeheim(Mittagsraſt) und über Bickenbach zurück. An demſelben Tage beſuchte die Ober⸗Tertia mit den Herren Proſch und Dr. Derſch Dreieichenhain. Am 10. und 11. Auguſt wurden ſämmtliche Klaſſen von ihren Klaſſenlehrern in den zoologiſchen Garten zu Frankfurt am Main geführt, und am 22. October beſuchten die Klaſſen U I, O u. U II und 0 u. U III unter Führung ihrer Klaſſenlehrer die Kunſthiſtoriſche Ausſtellung daſelbſt. Am 14. März beſuchte Dr. Landmann mit den Schülern der Unterprima das Muſeum zu Darmſtadt und an demſelben Tage Herr Proſch mit der Ober⸗Secunda den Kaiſerſaal, das Städel'ſche Inſtitut und die monumentalen Sehenswürdigkeiten in Frankfurt. Von Kunſtgenüſſen am Orte ſelbſt iſt der Beſuch des Modells zum deutſchen Nationaldenkmal auf dem Niederwald(4. Januar 1876) zu verzeichnen.
Der Geſundheitszuſtand unter den Lehrern war befriedigend. Durch, länger andauernde Erkrankung war Herr Dr. Freſenius an Ertheilung ſeines Unterrichts verhindert— 25 November bis 13. December;— außerdem mußte der Unterzeichnete wegen contagiöſer Krankheit ſeiner Kinder vom 16. Januar bis 14. Februar auf ärztliche Anordnung ſeinen Unterricht in Ober⸗Secunda ausſetzen. Derſelbe wurde während dieſer Zeit durch die Herren Dr. Schön, Dr. Derſch und Dr. Walter ertheilt.
Aus der Zahl der Schüler wurden uns zwei durch den Tod entriſſen. Am 9. September wurde der Schüler der Unter⸗Tertig a Georg Kappus unter Begleitung der gerade anweſenden Lehrer und Schüler— es war in den Herbſtferien— zu Grabe getragen; am 29. Januar ſtarb Auguſt Völker aus Ober⸗Tertia und erhielt von den Schülern der O III a und b unter Führung mehrerer ſeiner Lehrer und des Unterzeichneten das Geleite.
Als eingegangene Geſchenke ſind mit Dank zu verzeichnen: von Großherzoglichem Miniſterium des Innern die Fortſetzung der amtlichen Berichte über die Wiener Welt⸗ ausſtellung; von Herrn J. M. Hirſchmann den in ſeiner Officin erſchienenen Plan von Offenbach aus dem Anfang des vorigen Jahrhunderts: von dem Schüler der O II Leonhard Landmann aus Valparaiſo eine kleine Steinſammlung und von dem Schüler der U III a Julius Koch ein ausgeſtopfter neuholländiſcher Rabenkakadu(Calyptorhynchus Banksii). Eine ganz beſondere Freude aber wurde der Schule zu Theil durch Ueberweiſung eines Capitales von 258 Gulden nebſt Zinſen vom 19. Januar 1874 als Grundſtock zur Anſchaffung eines Flügels. Jene Summe war der Ueberſchuß einer Zeichnung früherer Schüler der Realſchule für die Koſten der Einweihung des neuen Realſchulgebäudes und wurde zu genanntem Zwecke in der Sparkaſſe des hieſigen Bankvereins deponiert. Um nun den Abſichten der freundlichen Geber, denen hiermit unſer wärmſter Dank ausgeſprochen ſei, näher zu kommen, haben wir für dieſes Jahr an Stelle des Redeactes eine muſicaliſche Aufführung, verbunden mit einem kleinen Luſtſpiele, vorbereitet, zu deren Inſceneſetzung der Vorſtand der Schloſſer'ſchen Liegenſchaft mit dankenswerther Liberalität die Räume des Theaters zur Verfügung geſtellt hat. Bei dieſer Aufführung wird der zur Anſchaffung in Ausſicht genommene Flügel einſtweilen in Behandlung genommen, und es darf wohl die Hoffnung ausgeſprochen werden, daß der eigene Erwerb unſerer gegenwärtigen Schüler in Verbindung mit der Stiftung ihrer Vorfahren, die zumeiſt ihre Väter ſind, unſere Schule zu dem ſchon längſt erſehnten Beſitze führen werde.
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