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dieser Mann nach dem Herzen Gottes. Wie bescheiden er sich auch auf seine Lehr- stelle in Wittenberg beschränkte— sein allseitiges, klares und gründliches Wissen. seine ungeheuchelte Frömmigkeit erregte in allen Landen Bewunderung und zog Tau- sende wissbegieriger Männer und Jünglinge in seine Nähe, um durch ihn die Weihe wahrer Bildung zu erlangen. Welch' ein Strom von Weisheit ergoss sich durch diese Schüler Melanchthons selbst in solche Gegenden, wo man bis dahin kaum eine Ahnung von höherer Erkenntniss und milder Sitte gehabt hatte! Und nicht auf den Zufall hin ward die edle Saat gestreut. Wie Luther ganz absichtlich für die Erziehung des Volkes sorgte, so that diess Melanchthon für die Bildung der Gelehrten*), und stehet die evangelische Christenheit auch auf dem Gebiete der Schule und Wissenschaft gross und ausgezeichnet da— Philipp Melanchthon ist'’s, dem sie diesen herrlichen Vor- zug verdankt. Gerade dieser Vorzug aber stehet mit dem innersten Wesen unsrer Religion und Kirche in engster Verbindung: dasselbe beruhet ja vornehmlich auf dem klaren und richtigen Verständniss der gesammten heiligen Schrift. Nun, meine Theuern, hat es unter den Stiftern unsrer Kirche in der Erklärung der heiligen Urkunden irgend Einer unserm Melanchthon an Scharfsinn, an Klarheit, an Gründlichkeit und Tiefe zu- vorgethan? Nennt sich nicht Luther selbst mit rühmlicher Bescheidenheit seines treuen Philippus Schüler? Haben wir nicht Alle in der Augsburgischen Confession und deren trefflicher Apologie ein Denkmal der edlen Einfalt, Duldsamkeit und Milde, aber auch der glaubigen Sicherheit und Entschiedenheit in den Händen, womit Melanchthon die geoffenbarte Wahrheit und seine eigne Erkenntniss zur Ehre Gottes und zum Heile der Menschen zu verwenden verstand? Denn auf diesen allein löblichen Zweck, m. Th., bezog der weise und fromme Mann all' sein Streben und Wirken. Nicht um ihrer selbst, oder um des Genusses willen, den sie bieten, las, erklärte und verbreitele er die alten Klassiker; nicht zur Befriedigung seiner Wissbegierde allein vertiefte er sich in die Fundgruben der Geschichte; nicht um eine neue Schule zu begründen, drang er in die Lehrsysteme der Weltweisen ein: sein Zaceck war die Anbetung Goties im Geiste und in der Wahrheit, der Sieg des reinen Evangeliums über alle Menschen- satzung, die Führung eines Lebens, welches das Leben des Sohnes Gottes auf Erden
*) Am hiesigen Gymnasium wurden auf Melanchthons Empfehlung angestellt: Adam Siber aus Schöna bei Zwickau, Rector von 1541— 1545; Falentin 4Apelles aus Guben, Rector von 1545— 1581; und Friedrich Zörler aus Kitzingen in Franken, Conrector von 1548— 1571 und Rector von 1581— 1587, nachdem er von 1571— 1581 Rector der Kreuzschnule zu Dresden gewesen war..


