Aufsatz 
Zwei Schulreden: 1. Schiller. 2. Melanchthon
Entstehung
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Rede

zur Feier des hundertjährigen Geburtstages Friedrich Schiller's.

10. November 1859.

Hochwürdige, hochverehrte Herren, Theuerste Amtsgenossen, Geliebte Schüler!

Das Lebensbild grosser, in ihrer Art ausgezeichneter und verdienter Männer hat jederzeit einen ganz besonderen Reiz, und die gedanken- und gefühlvolle Betrachtung eines solchen ist eine der genussreichsten und erhebendsten Beschäftigungen für den Freund wahrer Bildung und Gesittung. Die Begriffe, welche er sich über die Fähig- keiten des menschlichen Geistes, über das Mass der sittlichen Kraft, über die Höhe und Erreichbarkeit der Bestimmung unsres Geschlechtes entworfen hat, sieht er in einem derartigen Lebensbilde zu einer festen und bestimmten Gestalt ausgeprägt, und hierdurch werden diese so wichtigen Begriffe nicht blos veranschaulicht und berichti- get, sondern auch zu derjenigen Stärke und Wirksamkeit erhoben, wodurch allein sie für den Einzelnen wie für ganze Völker fruchtbringend und segensreich werden. Hat also die Geschichte es nicht verabsäumt, über die Eigenschaften, Thaten und Schick- sale grosser Männer mit Treue und Glaubwürdigkeit zu berichten; hat die Kunst die geistvollen Züge derselben mit sichrer Hand uns gezeichnet: so preisen wir mit Recht 1