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richterischer Weise über Goethe aufgehalten hatte,¹) als Schuhu auftreten zu lassen. Nach der Jubiläumsausgabe der Werke Goethes ist indes unter dem Schuhu nicht Klopstock, sondern Bodmer zu verstehen. Ihnlichkeiten zwischen Goethes Dichtung und der des Aristophanes sind mehrfach bis ins kleinste nachgewiesen worden.²)— Als im Jahre 1781 in Weimar alle Hoffnung des Landes auf der Geburt eines Erbprinzen beruhte, wollte Goethe zur Feier dieses Ereignisses ein Drama dichten. Es ist bezeichnend für seine ganze Sinnesart, daß er dazu einen griechischen Stoff benützt. Die alte Sage von Antiopa und Lykos, deren Haupt- motiv durch die Darstellung des Farnesischen Stiers bekannt ist, liegt wahrscheinlich zu- grunde. Goethe hat den Stoff, wie er sich in der 7. und 8. Fabel des Hygin findet, ganz frei gestaltet. Elpenor— Mann der Hoffnung— nannte er den Helden, um eben auf den erhofften Erbprinzen hinzudeuten. In einer Reihe von Briefen an Frau v. Stein³²) spricht er von dieser Dichtung, die nicht recht vorwärts rücken wollte. Immer wieder von neuem arbeitete er sie um, doch sie blieb Fragment, nur zwei Akte wurden fertig Die Dichtung ist sehr verschieden beurteilt worden. Schiller nannte sie, ohne zu wissen, daß sie von Goethe ist, ein dilettantisches Produkt. Während neuere Forscher, wie Victor Hehn*, behaupten, daß das Fragment wunderbare Schönheiten habe, nannte Goethe selbst in einem Briefe an Schiller ⁵)„Elpenor ein Beyspiel eines unglaublichen Vergreifens im Stoffe, der ihm sehr zuwider gewesen sei und weiß Gott für was noch anders ein warnendes Beyspiel.“ Bei dieser Auffassung blieb er, und als 10 Jahre später Zelter diesem Stücke Beifall schenkte, schrieb ihm Goethe,⁰) er könne sich diesen Beifall nur aus der Neigung erklären, die Zelter überhaupt für ihn habe. Bei Herausgabe seiner Werke hätte er sehr lebhaft gefühlt, wie fremd ihm diese Sachen geworden seien, so daß er fast kein Interesse mehr daran habe. Da das Stück dem Stoffe und seiner ganzen Anlage nach einen tragischen Ausgang forderte, konnte Goethe es als Festspiel zu dem frohen Ereignis der Geburt eines Erbprinzen nicht brauchen. Das ist wohl der Hauptgrund, warum er die Dichtung nicht zu Ende geführt hat.
Goethes heißer Wunsch, sich mit der Antike zu verbinden, sie ganz in sich aufzu- nehmen und Klarheit über sie zu erlangen, war allmählich bei ihm zu einer unwiderstehlichen Sehnsucht„einer Art von Krankheit“ geworden.*) Sie war es, die ihn im Jahre 1786 nach Italien zog.„Wie wohl mir's ist daß sich so viele Träume und Wünsche meines Lebens auflösen, kann ich Ihnen nicht ausdrücken.. Ich werde als ein neuer Mensch zurückkommen.“ So schreibt er aus Rom an seine Mutter ³) und an Frau v. Stein: 9)„... Hier kommt man in eine gar große Schule, wo Ein Tag so viel sagt und man doch von dem Tage nichts zu sagen wagt... Mir ist es so als wenn ich alle Dinge dieser Welt nie so richtig geschätzt hätte als hier.“ An Herder ¹⁰⁹) schreibt er:„Ich denke die gesegneten Folgen auf mein ganzes Leben zu fühlen.“ Wiederholt liest er den Vitruv„daß der Geist der Zeit mich anwehe“ ¹¹) und versenkt sich in die alten Bauwerke, Wasserleitungen, Bäder, Theater, Tempel, Gräber.„Mit diesen Bildern habe ich meinen Geist genährt und gestärkt.“„Ob ich gleich noch immer derselbe bin“, schreibt er an die Weimarer Freunde, ¹²)„so meyn ich biß aufs innerste Knochen-
¹) s. den Brief vom 21. Mai 1776 an Klopstock. ²) vergl. Morsch a. a. O. ³⁵) d. 19. Aug. 1781, d. 1., 2. u. 5. März 1783 und an Knebel d. 3. März 1783. ¹) s. Goethe-Jahrbuch VI, S. 207. ⁵) d. 24. u. 28. Juni 1798. ⁶) d. 7. Mai 1807.*) An Karl August d. 3. Nov. 1786. ⁸) d. 4. Nov. 1786. ⁹) d. 7. Nov. 1786. ¹⁰) d. 10. Nov. 1786. ¹1) d. 3. u. 17. Nov. 1786. ¹²) d. 2. Dez. 1786.


