Aufsatz 
Mönchtum und Sarapiskult
Entstehung
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und daß man von ihnen, wie das auch die ägyptischen Priester thaten, den Ertrag in Gestalt von Naturalsubsidien mit den Verwandten teilte, war doch die natürlichste Sache der Welt. Und daß gar der jüngere Bruder den älteren, das Familienoberhaupt, der sich noch dazu in einer so ansehnlichen Stellung befand, mit«Vater» anredet, ist doch kaum eine Sache, die nur bei einer Art von Mönchtum möglich wäre¹). So stürzt das ganze künstliche Gebäude, das Weingarten aufgeführt hat und das im Grunde allein auf der verkehrten Übersetzung von 24 oos als reclusus beruht, in sich zusammen und es bleibt nichts übrig, als eine, im Morgen- land verbreitete und auch im Abendland nicht unbekannte Form der Gottesverehrung.

Damit ist denn auch das Urteil über die Meinung gefällt, als habe sich das älteste Mönchium aus dieser Büßerkaste von Sarapisdienern entwickelt. Nichts erinnert, selbst wenn man jene fehlerhafte Ubersetzung gelten lassen wollte, an die Formen ägyptischen Asketen- lebens, wie sie uns aus den ältesten Mönchsgeschichten bekannt sind. Da treten uns in den Führern. aber auch in den Geführten Menschen entgegen, die mit einer grausamen Wollust jede Spur des Empfindens ertöten, die jeden Rest eines sich selbständig regenden Willens er- sticken, damit ja die Seele durch das elende Gehäuse des Körpers, in den sie gebannt ist, keinen Schaden leide. Die in die Wüste fliehen, auf steilen Felsen sich einnisten, damit sie nur nicht durch den Gedanken an die Möglichkeit einer Hülfe seitens der Brüder einmal schwach werden. Die keine andere Speise kennen als die harte Brotrinde, keinen andern Trank als die paar Tropfen Wassers, mit denen sie ihr Brot anfeuchten, um es nur zerbeißen zu können. Und was sollten diese harten, im Verzicht an sich den höchsten Lebenszweck erkennenden Gesellen mit den Bewohnern des Sarapeums zu thun haben, die über den Hunger, den sie leiden müssen, beweglich zu klagen verstehen, die aber sicherlich in solcher Ent- haltsamkeit nicht die Hauptaufgabe ihres Berufes erblickten!

Und ebensowenig läßt sich ein derartiger Einfluß auf die Entstehung der ältesten Klosteranlagen nachweisen. Nicht alle waren stark genug, auf sich allein gestellt, das Leben in der Einsamkeit zu ertragen. Mancher war schon zu alt, wie jener einfältige Paulus, der zu Antonius ging und ihn durch seine unbeugsame Beharrlichkeit und seinen kindischen Gehorsam bezwang. Für diese Schwächeren ist das Kloster der gegebene Ort. Auch es war gedacht als eine Sammlung von Einzelzellen, in denen jeder für sich leben konnte, aber in ihm war das Leben doch wesentlich leichter zu ertragen als in der Wüste. Daß Pachomius, der die erste Organisation schuf, ursprünglich ein Sarapismönch gewesen sei, oder überhaupt, mit dem Sarapisdienst in Verbindung gestanden habe, ist ein Irrtum, den jüngst Ladeuze hoffentlich für immer aus der Welt geschafft hat²), und so fällt auch hier die letzte Möglich- keit einer Verbindungslinie zwischen der alten und der neuen Zeit hin.

Dennoch aber liegt der Weingarten'schen Vermutung ein gesunder Gedanke zu Grunde, der freilich hier nicht näher ausgeführt werden kann. Die zäroo verewigen durch ihren Namen ein religionsgeschichtliches Element, das auch für die Entstehung des Mönchtums ohne Zweifel von einer weit größeren Bedeutung gewesen ist, als sich das aus den gangbaren Darstellungen erkennen läßt. Von den altisraelitischen Propheten, den Rekabitern, Essenern und Therapeuten führt über die altchristlichen Propheten, Märtyrer und Asketen eine Linie hin zu jenen Einsiedlern, die in der nitrischen Wüste ihr Fleisch kreuzigten. Sie alle waren in irgend einer Weise Besessene, d. h. von der Gottheit Ergriffene und sie alle hatten nur das Ziel, ihres Gottes zu leben. Lassen sich, wie auf den vorstehenden Blättern gezeigt wurde, auch die Besessenen des Sarapis hierin eingliedern, so ergiebt sich daraus eine religionsgeschicht- liche Konsequenz, die man bei der Erklärung der Lebensformen des alten Christentums nicht außer acht lassen darf. Es muß an dieser Stelle mit diesem allgemeinen Hinweise genügen; an anderer Stelle wird sich Gelegenheit geben, die hier angedeuteten Gedanken weiter auszuführen.

1) Vgl. die sehr verständigen Bemerkungen, die Brunet de Presle, Notices, p. 311, hierüber macht. 2) P. Ladeuze, Etude sur le cénobitisme Pakhomien, Louvain 1898, p. 157 ss. .=