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verſität Jena, Churfürſt Johann Friedrich der Großmüthige von Sachſen, aus ſeiner Gefangenſchaft bei Kaiſer Karl V. entlaſſen, am 24. September 1552 feierlichen Einzug hält in ſeiner neuen Hochſchule, da erfreut er ſich beſonders an der ſtattlichen Anzahl der ihn jubelnd empfangenden, kräftig friſchen Jünglinge. Sieh, das iſt Bruder Studium! ſpricht er lächelnd zu dem im Wagen an ſeiner Seite ſitzenden Lucas Cranach, indem er auf die ihn umgebenden Muſenſöhne deutet. Das Wort ſchlägt ein, und bald wird es zur allgemeinen Bezeich⸗ nung des deutſchen Studenten, als die es wohl bis an das Ende aller Dinge fortleben wird.
Seine Federn wohin blaſen
heißt: wohin gehen, ſeinen Weg nach einer beſtimmten Richtung nehmen. In dieſem Ausdruck birgt ſich ein heidniſch⸗religiöſer Zug, eine Art, das Schickſal zu befragen, und ſehr nahe liegt es, an das ähnliche Verfahren, die Beobachtung des Vogelflugs im Alterthum, zu denken. Die Art, wie ſich Vögel in einem beſtimmt abgegrenzten Raume zeigten, galt im Alterthum für eine Aeußerung des Willens der Götter; etwas Aehnliches zeigte das Feder⸗ blaſen. Eine Erklärung liefert Nr. 63 der Kinder⸗ und Hausmärchen, geſ. durch die Brüder Grimm. In dem⸗ ſelben wird erzählt, daß ein König drei Söhne hatte, und da er nicht wußte, welcher von ihnen das Reich nach ſeinem Tode haben ſollte, ſo legte er ihnen gewiſſe Arbeiten auf. Und damit es keinen Streit unter ihnen gäbe, führte er ſie vor ſein Schloß, blies drei Federn in die Luft und ſprach:„Wie die fliegen, ſo ſollt ihr ziehn.“ Die eine Feder flog nach Oſten, die andere nach Weſten, die dritte flog aber gerade aus und flog nicht weit, ſondern fiel bald zur Erde. Dasſelbe wiederholt ſich dann noch zweimal.
Dem auf die Wanderſchaft gehenden Schmiedegeſellen ruft ſein Pathe zu:„Wenn du naus kommſt, ſo nimm drei Federn in die Hand und blas ſie auf in die Höhe.“ Ferner altdeutſche Wälder 1. 91: Es iſt auch ſonſt ein gemein Sprichwort vorhanden, das gemeinlich diejenigen brauchen, ſo fremde Land bauen wollen oder ſollen, ich will eine Feder aufblaſen, wo dieſelbig hinaus fleugt, will ich nachfahren. Dieſelbe Anſchauung begegnet in den Redens⸗ arten: die Feder in den Wind werfen jeter la plume au vent; er weiß nicht, wo er ſeine Federn hinaus⸗ blaſen ſoll; ich wil ein Feder uffblaſen, der will ich folgen.
Man ſah alſo eine derartige Entſcheidung als eine des Schickſals an, und ich finde etwas hiermit zu⸗ ſammengehöriges in der bekannten Thatſache, daß die vor Beginn des erſten Kreuzzugs zuſammengelaufenen Schaaren ſich der Leitung einer Gans überließen, die vor ihnen herlaufend als Wegweiſer angeſehen wurde und der die Schaar folgte. Ich füge die Bemerkung aus Grimm, Weſen der Thierfabel hinzu: Thiere ſind Anführer auswandernder Anſiedelungen.
Maunlaffen feil halten.
Eine Affenart dieſes Namens kennt die Naturgeſchichte nicht. Die Redensart ſtammt nach der gewöhnlichen Erklärung aus dem Plattdeutſchen, man habe ſie aber falſch verſtanden und daher ſei die unrichtige Ueber⸗ tragung in das Hochdeutſche gekommen. Sie ſoll urſprünglich heißen veel dat Mul apen hollen d. h. den Mund viel offen halten als Zeichen der Dummheit oder Verblüffung.
Auch Cholevius führt an, daß Maulaffen feil haben aus der mißverſtandenen plattdeutſchen Phraſe: dat Mul vel ape hebbe hervorgegangen ſei und ſich auf dumme Leute beziehe, die mit offenem Munde daſtehen und neugierig oder verwundert etwas angaffen oder anhören. Sophiens Reiſe V. 183. Was ſollen wir nun hier? Maulaffen feil haben? In dem genannten Werke findet ſich ſogar- Ihr Witz maulaffte(ſann vergeblich auf eine Lüge) I. 198. Jungfer Mauläffchen, ſie kann reiſen. VI. 212. Mit Maulaffe gleichbedeutend iſt nach Ade⸗ lung das oberdeutſche Gähnaffe, Gienaffe, im Niederſächſiſchen Jaanup, Jaapup, woraus ſich dann aber ergiebt, daß die zweite Hälfte des Wortes nicht zu Affe, simia gehört, ſondern aus apen, offen verderbt ſei: Maulapen be⸗ deutet mit offenem Munde ſtehen. Da Ape auch im Niederſächſiſchen ein Affe heißt, ſo habe man aus Unkunde aus dem offenen Munde einen Maulaffen gemacht. Wander glaubt, die Redensart Maulaffen feil halten, ſei vielleicht zuerſt von einem Menſchen, der mit offenem Munde auf dem Markte ſtand und die ausgelegten Waaren begaffte, im Scherz geſagt, er habe Maulaffen, d. h. ſich ſelbſt feil, und ſo ſei die Redensart entſtanden.
Er erwähnt auch die plattdeutſchen Formen:
— Mülapen to kôp hebben, Mülapen verköpen.
Bernhard Friſch(1741) kennt das Wort und die Bedeutung; er ſagt Maul⸗Affe, homo imperitus qui aperto
ore omnia admiratur, und Maul⸗Affen feil haben, hiatare, stare otiosum, omnia admirari. Weigand erwähnt


