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Er hat die Platte geputzt
heißt: er iſt fortgegangen, hat den Ort ſeiner bisherigen Thätigkeit verlaſſen. Die Erklärung, die mir zu Theil geworden iſt, geht dahin: Wenn ein Zimmermaler oder Weißbinder ſein Tagesgeſchäft beendet hat, ſo putzt er die Farbenplatte ab, ſtellt ſie gegen die Wand oder legt ſie nieder und verläßt dann die Werkſtatt. Frägt man nun nach ihm, ſo ſieht ſich der Nebengeſelle nur um, und bemerkt er die geputzte Platte, ſo iſt ihm dieſe ein Be⸗ weis, daß der andere weggegangen iſt, und er ſagt dann: der und der hat die Platte geputzt. Daß auch Maler in ähnlicher Weiſe nach beendigter Arbeit die Palette abſchaben und reinigen, iſt bekannt und kann hier als verwandter Gebrauch mit angeführt werden.
Grütze haben
bedeutet Verſtand haben. Grltze iſt grob gemahlenes und von allen Hüllſen gereinigtes Getreide, ebenſo bedeutet es die daraus gekochte Speiſe. Figürlich heißt es Verſtand haben, ſo wie man von einem dummen Menſchen ſagt, er habe Spreu oder Häckerling im Kopfe. Die Erklärung liegt dann wohl darin, daß Spreu und Grltze die äußerſten Gegenſätze beim Getreidekorn ſind; Grütze iſt der gehaltvolle Kern, Spreu die gehaltloſe Schale. So ſagt eine Stelle aus Chriſt. Günthers Dichtungen:„Ein Kopf, der von Natur mehr Spreu als Gritze führt“. Auch da der aus Grütze gemachte Brei mit der breiartigen Gehirnmaſſe Aehnlichkeit hat, wäre die Bedeutung„Ver⸗ ſtand“ daher möglich. Daß übrigens Grützkopf auch einen dummen einfältigen Menſchen bedeutet, der ſtatt des Gehirns Grütze im Kopfe hat, will ich nicht verſchweigen.
Cholevius führt in ſeinem Programm:(Die Verkehrsſprache in Sophiens Reiſe von Memel nach Sachſen von Hermes) unter vier Schelt⸗ und Spottnamen außer Dummkopf, Dickkopf auch Grützkopf aufV; letzterer noch jetzt ein in Schleswig⸗Holſtein den Dänen beigelegter Spottname. Ein Grützkopf hat ſtatt des Gehirnes Grütze im Kopf.(Sophiens Reiſe ꝛc. 11, 255.) Die Natur muß ihm viel Grütze in den Kopf gegoſſen haben. II, 346 ebendaſ.
Wander führt die Redensart: Er hat Grütze im Kopf, auf und erklärt, es heiße: beſitzt Verſtand, iſt ein geſcheidter Menſch, weil Grütze der Siede(dem Häckerling) entgegenſtehe, doch fügt er hinzu, in Natangen ſoll die Redensart, wie Friſchbier bemerkt, im entgegengeſetzten Sinn gebräuchlich ſein. Ebenſo findet ſich: es hot jeder ſein' Grütz' im Sinn von Albernheit, Steckenpferd. Sehr nahe liegt es, die Redensart abzuleiten und zu erklären von„Gritz“, Verſtand, Einſicht, Scharffinn. Vilmar Jdiotikon p. 138, bezeichnet das Wort als allgemein üblich, aber niemals, wie die moderne Schriftſprache will, mit weiblichem Geſchlecht gebraucht. Das„gritz“ in gritzgrau hängt wohl mit gries⸗grau zuſammen.
Durch die Lappen gehen, durch die Tücher gehen
iſt eine aus der Jägerſprache entnommene Redensart, die ſoviel als entfliehen, aus einer Einſchließung ent⸗ kommen bedeutet. Bei der Jagd auf Hirſche werden gewiſſe Stellen im Walde mit Seilen umſpannt, an denen lange ſchmale Streifen Leinwand angenäht ſind. Dieſe Lappen oder Tücher ſollen das dahin getriebene Wild zu⸗ ſammenhalten und einſchließen(einlappen, daher einen ſchön einlappen.) Setzt es deſſen ungeachtet durch, ſo geht es durch die Lappen und entkommt. Dieſe Vorrichtung mit den ausgeſpannten Tüchern iſt bei der heutigen Jagd noch im Gebrauch; in dem Jägerhaus in Waldau bei Kaſſel werden ſolche Lappen außer anderen zur Jagd nöthigen Gegenſtänden in großer Menge aufbewahrt.
Manſchetten haben
heißt ſich fürchten. Manſchetten ſind Handkrauſen, d. h. ornement fait de mousseline, de batiste, de dentelle qui s'attache au poignet de la chemise des hommes ou des robes des femmes.(Es gibt auch manchettes de sabre, ein Stück Tuch oder Stickerei am Säbelgriffe der Infanterie.) Das franzöſiſche Wort ent⸗ hält keine Andeutung der Bedeutung„Furcht haben“ und ſelbſt die Redensart prendre des manchettes pour parler à quelqu'un, d. h. prendre des précautions pour ne pas l'offenser, mit Jemand ſehr vorſichtig umgehen, geht nur auf die mit dem Tragen von Manſchetten verbundene Idee der Vorſicht.
In dem 1777 erſchienenen Lexikon von Adelung wird dieſe Bedeutung des Fürchtens noch nicht erwähnt, ſie war ihm alſo damals noch nicht bekannt. Sanders erwähnt: Einem wackeln die Manſchetten; das Manſchetten⸗


