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in der modernen Verkehrswirtschaft nur ausnahmsweise erreichbar. Die geringfügigen Quantitäten, in welchen gerade die wichtigsten Bedarfsgegenstände von den Haushaltungen gewöhnlich bezogen werden und die weiten Entfernungen machen den direkten Verkehr in der Regel unmöglich. Wozu aber der Einzelne ausser stande ist, das vermag eine Viel- heit, wenn sie sich in der Absicht zusammenschliesst, ihren Bedarf gemeinschaftlich zu decken. So treten Angehörige bestimmter gesellschaftlicher Schichten zusammen, bringen durch Einzahlungen das notwendige Kapital auf und gründen einen Konsumverein, d. i. eine Genossenschaft, die Waren im Grossen bezieht, um sie an ihre Mitglieder abzusetzen.
Die Konsumvereinel¹) sind in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts auf eng- lischem Boden entstanden. Die damals in grosser Zahl gegründeten Konsumgenossen- schaften vermochten es aber nur zu einer vorübergehenden Blüte zu bringen und gingen zum grössten Teil wieder ein. Im Jahre 1844 setzte dann eine zweite, erfolgreichere Genossenschaftsbewegung in England ein. 1844 wurde von armen Flanellwebern in Roch- dale ein neuer Grundsatz in die Verwaltung der Konsumvereine eingeführt: der Reingewinn sollte nach der Warenentnahme und nicht, wie bis dahin üblich, nach der Kapitalbeteiligung unter die Mitglieder verteilt werden. Der Konsumverein bezieht die Waren im Grossen und setzt sie zu ortsüblichen Preisen an die Mitglieder ab. In der Differenz zwischen Grosseinkaufs- und Verkaufspreisen liegt sein Gewinn, und dieser gelangt nach Abzug der Verwaltungskosten nach Massgabe des von den Mitgliedern entnommenen Warenwertes zur Verteilung. Diesem Verfahren verdanken die Konsumvereine zum grossen Teil ihre Beliebtheit; fesselt doch die Erwägung, dass der Geschäftsüberschuss den Mitgliedern nach Massgabe ihrer Einkäufe wieder zufällt, diese dauernd an den Verein. Auf dieser Grund- lage sind in Deutschland in den 60er Jahren Konsumvereine gegründet worden dank den Bemühungen von Hermann Schulze aus Delitzsch, welcher in zahlreichen Schriften für die Einrichtung von Genossenschaften eintrat und durch praktische Versuche die Bahn zeigte, welche der vom mechanischen Grossbetrieb hart bedrängte Handwerkerstand zur Förderung seiner Interessen betreten sollte. Indes blieb die Entwicklung der Konsum- vereine bis in die 80er Jahre in ihren ersten Anfängen steben. Seit 1880 nahmen sie aber einen gewaltigen Aufschwung Die Zahl schnellte von 645 im Jahre 1880 auf 1469 im Jahre 1896 empor. In noch stärkerem Masse hat die Zahl der Mitglieder zugenommen, s0 dass sie für 1899 auf 750— 800000 geschätzt wird. Rechnet man zu diesen Mitgliedern noch die Familienangehörigen hinzu, so kann man sagen, dass in Deutschland mindestens 2 ½ Mill. Menschen oder etwa der 22. Teil der ganzen Bevölkerung ihren Bedarf an gewissen Waren durch Konsumvereine decken und den Dienst des lokalen Kleinhandels verschmähen.
Worin beruht nun die Stärke des Konsumvereins und wodurch ist er dem im privaten Unternehmen betriebenen Kleinhandel überlegen? Gewisse Vorzüge sind in der Natur des Konsumvereins begründet. Er kann mit Sicherheit auf Absatz rechnen und braucht seine Kundschaft nicht erst zu suchen, er braucht mit seinem Verkaufsladen
¹) Die Darstellung der Konsumvereinsbewegung lehnt sich an die Ausführungen von Prof. Pohle an a. a. O.


