Aufsatz 
Umgestaltungen im Handel
Entstehung
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Noch viel weiter gehenden Beschränkungen wird aber der von fremden Kaufleuten betriebene Handel unterworfen; es herrscht allgemein die Tendenz vor, diesen finanziell auszubeuten. Von den durch das Stadtgebiet transportierten Waren werden die mannig- faltigsten Abgaben erhoben, wie Zölle, Wege- und Brückengelder; ursprünglich bildeten sie wohl eine Entschädigung für die Benützung städtischer Einrichtungen, später wurden sie zu einer beliebten Finanzquelle der berechtigten Stadt. Vermöge des Umschlags- oder Umladungs- rechtes konnte die Stadt verlangen, dass die Weiterführung der angekommenen Waren nur qurch heimische Fuhrleute und Schiffer erfolge, vermöge des Stapelrechtes, dass die Waren von den durchreisenden Kaufleuten zum Verkaufe ausgestellt wurden und das Niederlage- recht zwang die fremden Kaufleute, die Waren den Bürgern der Stadt zu überlassen. ¹)

Der Handelsbetrieb vollzog sich überwiegend in der Form des Wandergewerbes. Der Kaufmann wenigstens der Grosshändler besuchte die Märkte und Messen in Be- gleitung seiner Warentransporte. Die Besorgung der Landfracht bildete noch einen Teil der kaufmännischen Thätigkeit und es ist charakteristisch, dass Frankfurt a. M., längst eine er- hebliche Messstadt, mit etwa 70 Krämern im Jahre 1387 erst einen, 1440 erst vier Fuhr- leute von Beruf besass. ²)

III.

Zu Beginn der Neuzeit ist Westeuropa Schauplatz heftiger Kümpfe zwischen den Landesfürsten und den Städten; diese verteidigen ihre Selbstständigkeit, jene sind bemüht, die Städte der eigenen Herrschaft unterzuordnen, um grosse, auf politischer Einheit be- ruhende Wirtschaftsgebiete zu bilden. Diese Kämpfe endigen mit der Unterwerfung der Städte, die Selbständigkeit und Unabhängigkeit derselben werden beseitigt und an die Stelle eng begrenzter Stadtwirtschaften, tritt eine mächtige Wirtschaftseinheit der moderne Staat. Früh schon gelangte dieser Prozess in Spanien, Portugal, Frankreich nnd England zum Abschlusse; in Deutschland kam er dagegen erst im vorigen Jahr- hundert mit der Errichtung des Deutschen Reiches zum Stillstande.

Die reichliche und ungestörte Bedarfsversorgung dieser grossen Wirtschaftskörper machten staatliche Massnahmen im Interesse der nationalen Wohlfahrt nötig und schufen das Bedürfnis nach einer streng durchgeführten Handelspolitik. Dabei dienten den neu begründeten Staaten anfänglich die Städte zum Vorbilde und die Staaten liessen sich in ihren wirtschaftlichen Massregeln von jenen Grundsätzen leiten, welche die mittelalterliche stadtwirtschaftliche Politik beherrscht hatten. Wie sich die Städte gegen fremde Konkurren⸗ abgeschlossen hatten, so umgaben sich auch die neuen Staaten mit einem Systeme von Grenzzöllen, das sie instand setzte, dem Handel mit dem Auslande eine Richtung zu geben, durch welche, den herrschenden Anschauungen entsprechend, das nationale Wohl die grösste Förderung empfing.

Ps ist das Zeitalter des Merkantilismus, einer Handelspolitik, welche bezweckte, die Staaten nach innen wirtschaftlich zu vereinheitlichen, nach aussen sie wirtschaftlich

¹) Lexis, Art. Handel in Schönbergs Handbuch der Politischen Oekonomie. I. S. 738. ²) Bücher, Die Bevölkerung von Frankfurt; mitgeteilt bei Schmoller a. a. O. S. 1059.