— 148—
umſtände— ſo zu geſtalten gewußt, daß das, was er von vorn⸗ herein erwartete, auch wirklich in die Erſcheinung getreten iſt.
Nicht ſo einfach liegt die Sache in der freien Ratur: hier iſt die Pflanze Subjekt; ſie legt dem Beſchauer, indem ſie ihn vor eine vollendete Catſache ſtellt, gleich eine ganze Reihe von Fragen vor, deren Beantwortnng in vielen Sällen ſchärfſtes Rachdenken erfordert.
Sie ſtellt ſich ihm dar als ein Lebeweſen, das ebenſo wie der Menſch ſelbſt um ſeine Exiſtenz ringt und kämpft, als ein Organis⸗ mus, der oftmals über geradezu raffinierte Mittel verfügt, ſich im „Kampf ums Daſein“ zu behaupten.
Gerade die pflanzen- und Cierſchickſale ſind es, die ſtets aufs neue die Aufmerkſamkeit des denkenden Beobachters in An⸗ ſpruch nehmen, und die ihn immer und immer wieder zum Studium der mannigfaltigen Wechſelbeziehungen, wie ſie ſich draußen im Freien in ungekünſtelter Weiſe kund geben, veranlaſſen.
Ich möchte in dieſem Zuſammenhang erinnern an das, was in vorliegender Arbeit über das Schickſal der auf den Granitfelſen verſchlagenen Kiefern geſagt iſt(ſ. S. 37 u. 38) oder über das Schickſal des durch Raupenfraß ſchwer heimgeſuchten pfaffen⸗ hütchens(ſ. S. 94) oder über das Schickſal von Vogelbruten(ſ. z. B. S. 96).
Dieſe hinweiſe, die ſich an der hand der Lektüre vorliegender Arbeit leicht vermehren ließen, mögen hier genügen.
Ich für meine Perſon halte die Betrachtung ſolcher pflanzen⸗ und Cierſchickſale für die einzige Art der Naturbetrachtung, durch welche uns die Lebeweſen auch wirklich menſchlich näher gebracht werden.
Selbſtredend iſt Verfaſſer weit davon entfernt, den hohen Wert biologiſcher und phyſiologiſcher Schulverſuche, die ja auch in ſeinem eigenen Unterricht einen nicht geringen Raum einnehmen, etwa in Abrede ſtellen zu wollen. Nur gegen eine einſeitige Bevor⸗ zugung der Laboratoriumsphyſiologie möchte er ſich aufs entſchie⸗ denſte wenden. Unſere Schulen können und dürfen nicht die Auf⸗ gabe haben, Phyſiologen oder Unatomen oder Mikroſko⸗ piker heranzubilden, ſondern Menſchen, die auf Grund einer gediegenen allgemeinen Bildung in naturwiſſenſchaftlichen Dingen zu einer nachdenklichen und liebevollen Betrachtung der Natur befähigt ſind.


