Aufsatz 
Biologische Exkursionen
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Luft und Feuchtigkeit mangelt, ſind die einzelnen Pflänzchen ſoweit in der Entwicklung zurückgeblieben, daß ſie geradezu als Swergformen erſcheinen. hier fällt auch die Stellung der Blattorgane am meiſten auf. Von der horizontalen Lage bis zum Senkrechtſtehen werden alle Stufen durchlaufen. Trotz der größten Mannigfaltig⸗ keit, die in dieſer Beziehung herrſcht, erkennen wir alsbald das ge⸗ meinſame prinzip: ſtets ſind die Blätter derjenigen Stelle zu⸗ gewandt, welche die relativ größte Lichtfülle ſpendet.

Zur Erklärung dieſer Erſcheinung nehmen wir an, daß das Licht einen Reiz auf die Pflanze ausübt. Als lebendiges Weſen nimmt ſie dieſen Reiz auf und beantwortet ihn auf ihre Weiſe: an den vom Lichte nicht direkt getroffenen Stellen wächſt ſie ſtärker als an den belichteten, und es kommt ſo zu Krümmungserſcheinungen, die ſo lange andauern, bis die für die Lichtausnützung zweckmäßigſte Stellung erreicht iſt.

8. Wir lauſchen einige Minuten dem melodiſchen Liede einer mſel, das von den benachbarten Gärten her zu uns herüber dringt und gehen dann dem Rande einer Wieſe entlang, die von Tauſen⸗ den von hahnenfußblüten wie vergoldet erſcheint.

Hn zahlreichen Wieſenpflanzen, ganz beſonders aber am Wieſen⸗ ſchaumkraut, zeigt ſich der ſog. Kuckucksſpeichel, den wir ge⸗ nauer unterſuchen wollen.

Ich breche einen Pflanzenſtengel ab und zerteile vorſichtig den ſpeichelähnlichen Schaum. Ein kleines, grünliches Tierchen die Larve der Schaumzirpe(Ptyelus pumarius) kommt alsbald zum Vorſchein und läuft auf meiner hand ziemlich raſch hin und her. Von Zeit zu Zeit bleibt es ſtehen und bewegt in auffallender Weiſe den hinterleib auf und nieder. Die zarte Larve, die vorher durch die ſchaumige Umhüllung gegen die austrocknenden Winde hin⸗ reichend geſchützt war, ſcheint ſich in der neuen Umgebung recht un⸗ behaglich zu fühlen..

Zur Erklärung der Entſtehung des Schaumes wird angeführt, daß das Tierchen aus den Atemöffnungen des hinterleibs Luft aus⸗ preßt, die ſich mit den von den genoſſenen pflanzenſäften herrühren⸗ den flüſſigen Ausſcheidungen des Darmes vermiſcht. Darauf haben auch die eigenartigen Bewegungen des hinterleibs hinge⸗ wieſen: die ihres Schutzes beraubte Larve hat ſich möglichſt raſch wieder mit Schaum zu umgeben verſucht, unter den gegebenen Ver⸗ hältniſſen natürlich ohne Erfolg.