Aufsatz 
Protoplasmastrukturen und Protoplasmatheorien
Entstehung
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Eine Vorwärtsbewegung der Amöbe soll nun in der Weise zustande kommen, dass sich durch Platzen einiger oberfläch- licher Waben seifenartige Verbindungen enthaltendes Enchylema auf die freie Oberfläche des Protoplasmas ergiesst und hier infolge seines Seifengehaltes die Tension herabsetzt, wodurch das treibende Moment gegeben ist. Ebenso wird die Bildung der fingerförmigen Pseudopodien erklärt, nur mit dem Unter- schied, dass hierbei lediglich lokale, auf geringe Entfernungen sich erstreckende Ausbreitungserscheinungen als Folge von Differenzen in der Oberflächenspannung in Betracht gezogen werden.

Berthold zeigte sich, wie bereits oben bemerkt, einer Er- klärung der Amöbenbewegung als Folge von Differenzen in der Oberflächenspannung vornehmlich aus dem Grunde nicht geneigt, weil er am Vorderende der Amöben, trotz genauester Beobach- tung, keinerlei Bewegung im umgebenden Wasser wahrzunehmen vermochte, wie es nach dieser Theorie unbedingt hätte der Fall sein müssen. Auch Bütschli ist es nicht gelungen, bei Pelomyxa, einem sehr geeigneten Objekt, Strömungen im umgebenden Wasser nachzuweisen, welche mit den in der Pelomyxa wahrzunehmenden Strömungen gleichsinnig gewesen wären. Dagegen willBütschlischwache Wasserströmungen beobachtet haben, welche gerade in entgegen- gesetzter Richtung gegen das Vorderende, gegen das ver- meintliche Ausbreitungscentrum eilten.

Diese abweichenden Verhältnisse haben Bütschli in. eine ziemliche Verlegenheit versetzt, denn er sieht sich in einer längeren Erklärung zu dem Eingeständnis gezwungen, dass für diesen Fall die von ihm gegebene Erklärung der Amöbenbewegung nicht stimmt. Um aber seine Theorie zu retten, giebt er der Vermutung Raum, dass dieses der Theorie zuwiderlaufende Ver- halten der Pelomyxa vielleicht doch darauf hinweise, dass ihre Oberfläche von einer chemisch anders beschaffenen Schicht über- zogen sei, wie sie Quincke in dem Ölhäutchen angenommen habe, und dass auch der Sitz der bewegenden Kräfte dahin zu verlegen sei, wohin ihn Quincke verlegt habe.

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