Aufsatz 
Zur französischen Schul-Grammatik / von Plattner
Entstehung
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Zur franzöſiſchen Schulgrammatik.

Bei der Zuſammenſtellung der nachfolgenden Bemerkungen, welche ſich an die Schulgrammatik von Plötz anſchließen, war das Bedürfniß der Prima einer Realſchule I. O. maßgebend. Einerſeits ſollten die Regeln mit Hülfe der Etymologie und Sprachgeſchichte verſtändlich gemacht werden, ſoweit dies möglich iſt ohne das Gedächtniß zu belaſten ſtatt zu entlaſten. Anderſeits ſollte vorwiegend das Bedürfniß des Aufſatzes Berückſichtigung finden durch Angabe brauchbarer Phraſeologie und Warnung vor gewöhnlichen Germanismen. Bei den unregelmäßigen Verben iſt eine ausgedehnte Phraſeologie vielleicht wichtiger als irgendwo; gerade hier aber habe ich dieſelbe großentheils geſtrichen, weil ſie in dieſer Arbeit Stückwerk hätte bleiben müſſen und ſich hierfür auf die Schrift von Dr. Völkel(Franzöſ. etymolog Leſebuch, I. Th. Hannover 1878) verweiſen läßt.

In der Orthographie habe ich mich ſtreng an die neue Ausgabe des Wörterbuchs der Academie gehalten. Die angeführten Beiſpiele habe ich geſammelt, nicht nachcitirt, außer wo dies ausdrücklich bemerkt iſt. Es iſt nicht gleichgültig, ob ein Beiſpiel zufällig gefunden oder ohne genaue Quellenangabe einer fremden Sammlung entlehnt iſt, die es vielleicht gleichfalls entlehnt hatte. Erſteres läßt auf häufigeres Vorkommen ſchließen, letzteres ſtellt oft nur eine grammatiſche Curioſität dar. Die angeführten Belegſtellen ſind mit geringen Ausnahmen nur Schriftſtellern des 19. Jahrhunderts entnommen; die weniger bekannten Namen gehören den letzten Decennien an. Eigenes Sammeln iſt nöthig, weil die ad hoc gebildeten Beiſpiele franzöſiſcher Grammatiker und die von früher feſtgehaltenen Sätze der Academie öfter geradezu Fälſchungen des Sprachgebrauchs ſind. Das an Beiſpielen ſo reiche Werk von Littré berückſichtigt die Zeit nach der Revolution zu wenig, und es wäre nicht ſchwer nachzuweiſen, wie einzelne Irrthümer in unſeren Unterrichtsbüchern gerade durch dieſen Mangel veranlaßt wurden. Dabei hat Littré die bei einem franzöſiſchen Lexicographen ſehr berechtigte, aber für Fremde ſehr unbequeme Neigung, aus dem älteren Sprachgebrauch in den neueren hinüber zu retten, was ſich nur retten läßt; die von ihm ſelbſt gebildeten Sätze und ſein Stil verrathen dies nur zu häufig.

Die mit J bezeichneten Beiſpiele ſind hervorragenden franzöſiſchen Zeitungen der letzten Jahre entnommen. Wenn dieſe bedentlich ſind, weil man ſich einer Mehrheit unbekannter Verfaſſer gegenüber ſieht, ſo haben ſie doch auch den Vorzug, daß ſie darſtellen, was der große Kreis der Gebildeten in Frankreich als ſprachlich richtig betrachteet. Da übrigens Littré in ſeinem Supplement unbedenklich die größeren Zeitungen als Belege für Neologismen und weniger häufige Ausdrücke gibt, ſo haben wir keinen Grund anſpruchsvoller zu ſein.

Wiesbaden, im März 1879. Ph. Plattner.