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Nachmittage dureh] fröhliches Beisammensein im Freien an einem benachbarten Orte von dem grössten Theil der Lehrer und fast sämmtlichen Schülern fortgesetzt.— Ein anderer feierlicher Sing- und Rede-Akt wurde am 3. October 1838 am Schluss der IHlerbst-Prüfung gehalten. Zwei Primaner, Vogel aus Cassel und Michaeli aus Rotenburg, trugen von ihnen selbst ausgearbeitete Reden, der erstere in lateinischer, der andere in deutscher Sprache, vor. Gesänge und Declamations-Uebungen wechsel- ten damit ab und zum Schluss hielt der Gymnasiallehrer Dr. Volkmar einen Vor- trag: über das Verhältniss der wissenschaftlichen Bildung zum Christenthum.
Ueber die Prüfungen der Reife zu den academischen Studien ergieng vom Kunfürstl. Ministerium des Innern an sümmtliche Gymnasien des Kurstaats unter dem 30. April 1838 eine im Druck erschienene Dienstanweisung, welche einige neue Bestimmungen und namentlich eine Beschränkung der Prüfungs-Gegenstände enthielt.
Da die bisher für die Schüler des hiesigen Gymnasiums geltenden Gesetzo nicht überall den gegenwärtigen Verhältnissen angemessen erschienen, so wurde eine neue Redaction dieser Gesetze vorgenommen. Die von dem Kanfärstl. Ministerium des Innern genehmigten neuen Gesetze wurden gedruckt und am 28. August 1838 in einer feierlichen Versammlung der Lehrer und Schüler von dem Director den Schü- lern zur Nachachtung bekannt gemacht.
Der erfreuliche Gesundheitszustand der Schüler erlitt zwar im Winter, in- dem eine ziemliche Anzahl meistens jüngerer Schüler besonders von den Masern befallen wurde, einige Störungen; doch waren die Krankheitsübel gutartig und sie gien- gen mit Gottes Hülfe und durch die sorgsamen Bemühungen des Gymnasiums-Arztes Dr. Wendelstadt glücklich vorüber.
Die Gymnasiums-Bibliothek wurde in diesem Jahre, soweit die dafür aus- geworfenen Mittel reichten, dur ch Anschaffung schätzbarer Werke vermehrt. Auch hatten wir uns mehrerer Geschenke zu erfreuen, wofür ich den Gebern meinen herz- lichen Dank abstatte. Herr Kirchenrath Petri zu Fulda schenkte der Gymnasiums- Bibliothek chalze's Geschichte der deutschen Gymnasien. 2 Bde. 8.— Herr Gymnasiallehrer Dr. Blackert zu Marburg, ein ehemaliger Schüler des hiesigen Gymnasiums, übersandte seine zu Kassel bei Krieger erschienene Ausgabe von Cebes Gemälde und seine Dissertation: De duali Graecorum p. I.— Herr Dr. IHIeinrich Hasselbach, der ebenfalls dem hiesigen Gymnasium einst als Schüler angehörte und jetzt nach Vollendung seiner academischen Studien an dem Marburger Gymna- sium sein Probejahr zur Vorbereitung auf das Gymnasial-Lehramt besteht, theilte seine


