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Während seiner Anwesenheit in Tours schon mag Fortunatus der berühmten Radegunde bekannt geworden sein. Diese, die Tochter des von seinem Bruder, dem letzten Thüringerkönige Hermanfrid, ermordeten Berthar, von Chlotar I. nach Besiegung ihres Oheims an der Unstrut(Onestrudis) 528 gefangen genommen und später zu seiner Gattin erkoren, hatte noch bei Lebzeiten Chlotars, mit dessen und seiner Söhne Unterstützung und mit Einwilligung der benachbarten Bischöfe ein unter Aufsicht des dasigen Bischofs stehendes Frauenkloster in Poitiers nach der Regel des Cäsarius von Arles und seiner Schwester Cäsaria gestiftet und ihm ihre seitherige Pflegetochter Agnes als Vorsteherin gegeben(nach Sigberts von Gemblours Chronik 557). Greg. Tur. III, 47. IX, 39. 40. 42. Auf ihren Wunsch blieb Fortunatus in Poitiers und stand fortan mit ihr und der Abtissin Agnes in freundschaftlichem Verkehr bis zum Tod der ersteren VIII, 1, 21:
Martinum cupiens voto Radegundis adhæsi,
Quam genuit coelo terra Toringa sacro,
Germine regali, pia neptis Herminefredi. In Poitiers erlangte er auch die priesterliche Würde; wann dies geschehen, lässt sich nicht genauer feststellen; nur soviel sehen wir aus den Worten des zwischen dem 14. und 15. Gedichte des 8. Buches eingeschalteten Briefes an Gregor von Tours: in causa, qua conservus meus presbyter præsentium portitor vos pro singulari præsidio conſidens occurrit, dass er zur Zeit der a. a. O. berührten ärgerlichen Vorfälle im dortigen Kloster Presbyter war, also 591; denn in dieser Zeit trugen sich jene von schauderhafter Sittenverwilderung zeugenden, durch den Ehrgeiz der Nonne Chrodieldis hervorgerufenen, von Gregor IX, 39— 43. X, 15——17 umständlich erzählten Ereignisse zu, wobei eine gewisse Justina sich so edelmütig und thatkräftig ihrer Abtissin Leubovera annahm; darauf beziehen sich das 14. und 15. Gedicht des 8. Buches und der eben erwähnte Brief an Gregor, worin er diesen um Schutz für das Kloster Radegundens ersucht. Nahm sich also unser Dichter nach dem Tode seiner Freundin ihres klösterlichen Vereins an, so hatte er dieses auch schon während ihres Lebens durch Fürsprache und Verwendung bei seinen einfluss- reichen Freunden gethan, wie wir aus seinem 21. Briefe an seinen Gönner, den Staatsbeamten Mumulenus (vgl. VII, 7— 14) sehen: hoc fiducialiter deprecantes ut veneratorem vestrum, portitorem præsentium, hominem domin Radegundis, matris vestræ, anime sanctæ, vel ea quæ pro utilitate ac necessitate prædicte dominæ suggesserit coram Christo et eius angelis tam pro sui reverentia quam prece nostra promptum habere dignemini, indubitabiliter intimamus; ut quod pro causa illius apud præsentes dominos reges impenditis ab æterno rege centuplicato munere suis orationibus acquiratis. Auch die Reisen, die er durch Gallien bis an die Pyrenäen machte(epist. ad Gregor. I. ac post Mosellam, Mosam, Axonam et Sequanam, Ligerim et Garumnam, Aquitaniæ maxima fluenta, transmittens, Pyrenæis occurrens Julio mense nivosis) scheint er zum Theil in ihren Aufträgen unternommen zu haben. Während derselben machte er auch wol die Bekanntschaft der vielen fränkischen Bischöfe, die er als seine Freunde in den Gedichten erwähnt. Ebenso besorgte er die nõtige Correspondenz Radegundens; schliessen lässt es sich aus IX, 10, wo er in ihrem Namen und Auftrag dem Bischofe von Paris, Ragnemund, für einige ihr übersendete Geschenke dankt, und aus dem unter den Supplementen stehenden Gedichte an den Kaiser Justin den Jüngern und seine Gemalin Sophia, worin er beiden für die der Radegundis auf ihre Bitten geschickten Reliquien Dank abstattet. An mehreren Stellen seiner Gedichte hat er in schönen Versen ausgedrückt, wie sehr ihm der freundschaftliche Umgang mit der edeln Frau wahres Herzensbedürfniss war; er trauert, wenn sie auch nur auf einige Zeit sich ihm entzieht, XI, 1:


