Aufsatz 
Über das Leben des lateinischen Dichters Venantius Honorius Clementianus Fortunatus / von Thomas Bormann
Entstehung
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Quos colo corde, fide, breviter, peto, redde salutem.

Si Patavina tibi pateat via, pergis ad urbem;

Hic sacra Justine rogo lambe sepulcra beatæ,

Cuius habet paries Martini gesta figuris,

Quove salutis opus celso depende Joanni

Atque suis genitis, sociis, per carmina, nostris.

Hic tibi Brinta fluens, iter est Retenone secundo;

Ingrediens Athesim Padus excipit; inde phaselo,

Mobilis unde tibi rapitur ratis amne citato,

Inde Ravennatum placidam pete dulcius urbem.

Es wanderte also unser Dichter von seinem bisherigen Aufenthaltsorte Ravenna aus nach dem Po, der Eisch, Brenta(die er wahrscheinlich zuerst mit dem dem heutigen ſast gleichlautenden Namen Brinta nennt statt des bei den Classikern üblichen Medoacus).*) Was der zwischen der Athesis und Brinta eingeschobene Ausdruck Retenone secundo bedeuten soll, vermag ich nicht genau zu bestimmen; moglich dass es der bei Vicenza mit dem Bacchiglione sich vereinigende kleine Fluss Retone ist. Von den Ufern der Brenta und von Padua ging dann die Reise nach Tarvisus(Treviso, Tarvis nach deutscher Benennungs- weise), über die Piave, durch Duplavenis nach Ceneta, über die Livenza(Liquentia), dem Tagliamento (Tiliaventus)**) zu, nachdem unser Dichter wahrscheinlich erst einen Besuch in Concordia und Aquileja gemacht das freilich in einiger Entfernung von seinem nächsten Wege, zur rechten Seite hin, lag um dort einige Freunde zu besuchen, in Aquileja namentlich seinen alten Lehrer, den Bischof Paulus. Am Tagliamento hinauf kam er an einigen befestigten Orten vorbei Reuna und Osopus; denn Reuna Tiliaventi müssen wir wol v. 654 statt des von Brower in den Text aufgenommenen sinnlosen Reunatilia montis lesen; Reuna hat auch Paul. Diac. a. a. O. Osopus aber oder, wie Paul. Diac. es nennt, Osopium hat seinen alten Namen fast noch ganz erhalten; es ist der heutige mit einem Schlosse versehene Flecken Osopo am linken Ufer des Tagliamento in Friaul, der Schlässel der Strasse nach Ponteba oder Pontafel in Kärnten und auch aus der neuern Kriegsgeschichte bekannt; 1797 nämlich besetzte es als einen militärisch wichtigen Punkt General Masséna. Hierauf überstieg unser Reisender die Julischen Alpen und wanderte bei dem Castell Aguntus vorbei der Drave zu, die er nicht fern von ihrem Ursprunge überschritt. Da er das Castell Aguntus als zwischen der Drave und den Julischen Alpen gelegen angibt, also auf der nörd- lichen Seite der letzteren, so kann es nicht am Tagliamento im Venetianischen gelegen haben, wie Mannert Geogr. III, 726 wahrscheinlich findet, der S. 629 noch von einem andern Aguntus in Kärnten spricht, das also von jenem verschieden sein müsste; oder gab es vielleicht mehrere Castelle dieses Namens? Ich weiss nicht, wie Brower dazu gekommen ist statt Aguntus Amyntus in den Text zu setzen, ohne auch nur zu erwähnen, in welcher Handschrift er diese Variante gefunden. Paul. Diac., der a. a. 0. Aguntus hat, las gewiss so in seinem Codex und bietet uns wol unstreitig die älteste Lesart, da unter den uns bekannten und von Brower angeführten fünf Codices des Dichters keiner wol weit über die Zeit des etwa 200 Jahre nach Fortunatus gestorbenen Paulus Diac. hinaufreichen wird. Da Aguntus auf der im Itinerar. Antonini angegebenen Strasse von Aquileja nach Veldidena(Kloster Wilden bei Innsbruck) lag, so ist es

*) Strabo V, 1, 7; Plinius Hist. nat. III, 20. **) Bei Plin. III, 22 Tilaventum, bei Ptolem. I, 15, 3 TMaæouererog. 2*