Aufsatz 
Über das Leben des lateinischen Dichters Venantius Honorius Clementianus Fortunatus / von Thomas Bormann
Entstehung
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Es kann nun allerdings der Ausdruck novus in der angeführten Stelle entweder auf seine Ankunft in Poitiers und diese Auffassung liegt wol am nächsten oder auf seine Ankunft in Gallien überhaupt bezogen werden; in beiden Fällen bleibt aber das Resultat dasselbe, da zwischen seiner ersten Ankunft in Austrasien und der in Poitiers nur ein kurzer Zwischenzeitraum verstrichen sein konnte, wie nachher bemerkt werden wird..

Auch aus folgenden Thatsachen können wir den Schluss zichen, dass unseres Dichters Ankunft im Reiche der Franken in den Anfang der Regierung Sigiberts fällt. Wir wissen aus der von ihm verfassten Lebensbeschreibung des h. Medardus c. 32 und 33(sie steht in der Legendensammlung des Surius III, 658 670), dass K. Chlotar dem erwähnten Heiligen zu Soissons eine Kirche zu erbauen begonnen hatte, und dass er bei seinem Tode seinem Sohne Ssigibert ernstlich auftrug den Bau derselben so bald als möglich zu vollenden; Sigibert habe dann auch gleich nach des Vaters Bestattung den Bau fortgesetzt; vgl. auch Gregor. Tur. IV, 19. In den letzten Versen des 17. Gedichtes des 2. Buchs aber redet unser Dichter davon, wie Sigibert den Bau der erwähnten Medarduskirche eifrig betrieben und seiner Vollendung entgegenführe:

En tua templa colit nimio Sigibertus amore,

Insistens operi promptus amore tui;

Culmine custode qui templum in culmine duxit

Protege pro meritis, qui tibi tecta dedit. Das 9. Gedicht des 3. Buchs redet von Nicetius, Bischof von Trier, als einem noch lebenden; da dieser aber ums Jahr 564 starb(Brower und Masen Antiquitt. et Annal. Trevir. lib. VI cap. 39), so muss Fortunatus um dieselbe Zeit schon in Austrasien gewesen sein; Nicetius war alsbald nach Chlotar I. Tod von dessen Sohn Sigibert aus der von jenem über ihn verhängten Verbannung zurückberufen worden; Gregor. Tur. de vitis patrum c. 17. Ganz genau würden wir die Zeit, wann Fortunatus aus Italien zog, feststellen können, wenn wir wüssten, wann das 9. Gedicht des 7. Buchs an den Dux Lupus geschrieben worden, worin er sagt v. 7:..

Exul ab Italia nono puto volvor in anno; allein es bietet uns das Gedicht nicht die geringste Spur, woraus wir die Zeit seiner Abfassung näher bestimmen könnten. 1

Den Weg, den Fortunatus auf seiner Reise von Ravenna aus ins Reich der Franken nahm, hat er uns an zwei Stellen seiner Werke selbst wiewol ganz im allgemeinen bezeichnet; zuerst in dem am Anfang

des ersten Buchs stehenden Briefe an seinen Freund Greger v. Tours: ego de Ravenna progrediens

Padum, Athesim, Brintam, Plavem, Liquentiam Tiliaventumque tranans, per Alpem Juliam pendulus, montanis anfractibus Dravum, Norico Birrum Oenum, Breones, Licum Boiariæ, Danubium Alemanniæ, Rhenum Ger- maniæ transiens, und Vita Mart. IV, 629 678. An der letzteren Stelle nämlich redet er zu seinem Gedicht, das er seinen noch zu Ravenna lebenden Freunden mittheilen will, und bezeichnet ihm den Weg, den es von Poitiers bis Ravenna zu nehmen habe; diesen müssen wir nun unbedenklich für denselben halten, den der Dichter, nur in umgekehrter Richtung, von Ravenna aus nach Austrasien einschlug, da es nicht denkhbar ist, dass er seinem Gedicht, das er sich als Reisenden verpersönlicht, einen andern Weg angegeben haben wird, als den er selbst aus eigner Erfahrung kannte; um so mehr können wir dieses annehmen, als die Reiseroute an beiden Stellen in den Hauptangaben ganz übereinstimmt, nur dass sie an der zweiten Stelle etwas genauer angegeben ist, Paulus Diac. hat a. a. 0. Leradeen nach der zweiten Stelle dic