Aufsatz 
Philipp Reis' Telephon : ein Beitrag zur Entwicklungsgeschichte des elektrischen Fernsprechwesens : mit einer Figurentafel / von Leopold Petrik
Entstehung
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überhaupt der Erfinder des Sprechtelephons ist. Eingehend befasste sich ferner mit demselben Gegenstande auch Prof. Edwin Hou- ston anlässlich der internationalen elektrischen Ausstellung in Philadelphia im Jahre 1884, während welcher er Obmann der Sectionhistorische elektrische Apparate war. Er verfasste bei der Gelegenheit eine Reihe von Artikeln, in welchen er mit Objectivität den Antheil, den Reis, Dolbear, Gray, Bell, Edison, Mc. Donough und Drawbaugh an der Erfindung des Telephons hatten, bespricht und Reis Gerechtigkeit wider- fahren lässt.

Wenn trotz dieser Publicationen und trotzdem sich noch zahlreiche competente Stimmen dafür erhoben, dass Reis der erste Erfinder des Sprechtelephons ist, Mc. Donoughs Tele- phon, der in seinem Sender den von Reis nachgeahmt hatte, von den amerikanischen Gerichten nicht anerkannt wurde, weil sein Sender nur eine Modification desjenigen von Reis sei, so liegt die Erklärung hiefür darin, dass sie ihre Entscheidung mehr vom Wortlaut der Reis'schen Erklärung der Wirkungsweise als von der Leistung des Apparates herleiteten; denn in Wirk- lichkeit sprach der Apparat gut.

Prof. Dolbear, an den ich mich um Auskunft über einige mir dunkle Punkte in der Geschichte der Telephonie gewendet habe, lenkte meine Aufmerksamkeit auf die Arbeiten von Reis, und so entstand dieser Versuch, aus dem ziemlich zerstreuten Materiale ein zusammenhängendes Bild davon zu geben, was Reis für die Telephonie geleistet hat und wie sich die Ansichten über seine Erfindung infolge der Studien, die durch den Patentstreit ver- anlasst wurden, geklärt haben.

Ich erachte es als angenehme P̃flicht, an dieser Stelle meinem geehrten Collegen, Herrn Vincenz Hruby, für die Unter- stützung, die er mir durch die UÜbersetzung der englischen Quellen angedeihen liess, wärmstens zu danken.