Mit dem Abschlusse dieses Jahres erlischt das so oft ge- nannte amerikanische Patent Bells vom 7. März 1876 N.* 174465, betitelt„Verbesserungen in der Telegraphie“ und die Wirksam- keit des Punktes 5 desselben, auf Grund dessen er in Nordamerika das Telephon-Monopol beherrschte und jedes andere Telephon, unabhängig von den Grundsätzen, auf denen es aufgebaut war, wie z. B. das statische Telephon von Dolbear und andere, vom öffentlichen Verkehre ausschloss. Eine Folge dieses masslosen Anspruches waren die langwierigen nordamerikanischen Patent- processe, deren Erwähnung hier deshalb von Interesse ist, weil sie Veranlassung zur Prüfung der Frage gegeben haben, wer der erste Erfinder des Telephons ist. Bell nahm in seinem Punkte 5 die Erfindung des ersten Sprechtelephons für sich in Anspruch und leugnete, dass Philipp Reis mehr als ein Musiktelephon ersonnen habe. Eine Menge von Unrichtigkeiten über Reis' Ab- sichten und Leistungen wurden von den Vertheidigern Bells verbreitet, welche alle den Zweck hatten, Reis den Ruhm der ersten Erfindung des Sprechtelephons streitig zu machen. Damit war der Anstoss dazu gegeben, die Arbeiten Reis' neuerdings zu studieren, den Entwiklungsgang seiner Erfindung zu verfolgen und seine Apparate einer Untersuchung in Bezug auf ihre Lei- stungsfähigkeit zu unterziehen.
Einer der ersten, die Reis ihre verständnissvolle Aufmerk- samkeit zugewendet haben, war der durch seine Telephonarbeiten bekannte Prof. A. E. Dolbear, welcher durch seine rastlose Thätigkeit viel, wenn nicht das meiste zur Bekanntmachung und Aufklärung der Telephonarbeiten von Reis beigetragen und die Gelehrtenwelt zu neuerlichen Untersuchungen derselben angeregt hat. Zugleich mit Dolbear sammelte Prof. S. P. Thompson das auf die Er- findung von Reis bezügliche Materiale und veröffentlichte es in seinem classischen Werke„Reis Inventor of the Tele- phone“, worin er mit Uberzeugung dafür eintritt und erschö- pfende Beweise erbringt, dass Reis nicht nur der erste, sondern


