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Zeichenausstellung.
Die Zeichenausstellung der Realschule fand im Parterre der unteren Schule statt.— War auch die Zahl der ausgestellten Arbeiten kleiner als in früheren Jahren, da nur Zeichnungen eines Schuljahres ausgestellt waren, so wurde doch wiederum viel Interessantes und Bemerkenswertes geboten. Die meisten malerischen Arbeiten waren nur in reiner Aquarelltechnik, in Tempera da- gegen nur 2 oder 3 durchgeführt. Die Schülerarbeiten liessen durchaus ein eifriges Streben nach treuer, sauberer Wiedergabe des Objektes erkennen und zeigten, dass neben dem Malen auch das Zeichnen zu seinem Rechte gekommen war. Neben farbenfreudigen Schmetterlingen und anderen zeichnerischen Darstellungen fanden sich ganz prächtige Naturausschnitte aus unserem Nachbar- dorfe Zschernitzsch in Bleistift-, Federzeichnung und Aquarell; und gleich beim Eintritte begeg- neten dem Blicke die Gedächtniszeichnungen der unteren Klassen, allerlei Handwerkszeug auf grauem Packpapier, in ihrer typischen Form gut aufgefasst und meist sorgfältig gezeichnet. Mit dem Freihandzeichnen war das Linearzeichnen gleichen Schritt gegangen. Es überraschte hier die Fülle der perspektivischen und geometrischen Zeichenbogen, die in praktischer Weise je nach der vorgesehenen Berufswahl der Schüler darstellende Arbeiten aus verschiedenen Handwerken brachten. Zugleich mit den Schülerarbeiten hatte Zeichenlehrer Vetter einen Teil eigener Zeichnungen und Bilder, Radierungen und Porträtstudien ausgestellt.
Die Ausstellung erfüllte ihren Zweck; sie gab ein übersichtliches, ruhiges Bild vom Fleiße eines Jahres und war gut besucht.
Sommerturnfahrt 1912.
In den Sommerferien des vergangenen Schuljahres unternahm der Unterzeichnete in Be- gleitung des Hlerrn Kaufmann Bachmann mit 9 Realschülern eine zehntägige Fußwanderung ins Bayernland, mitten durch den herrlichen Franken- und Steinerwald und einen Teil des Fichtel- gebirges. Eine eingehende Reiseschilderung erscheint mir hier nicht am Platze, jedoch mag folgendes hervorgehoben werden.
Die Wanderung begann bei Gera, ging über Zeulenroda am ersten Tage bis Oöschite, von hier am zweiten Tage bis Ziegenrück, von Ziegenrück am dritten Tage durchs herrliche Saaletal bis Flarra, am vierten Tage bis Marxgrün durchs romantische Höllental, am fünften Tage über Geroldsgrün und Schwarzenbach a. Wald nach Presseck, am sechsten Tage, einem Sonntage, über Grafengehaig und dem alten Wallfahrtsort Kloster Marienweiher nach Marktschorgast. Der Vormittag des siebenten Tages fand uns auf der Plassenburg in Kulmbach, der Abend in Bischofs- grün. Der achte Wandertag führte über Ochsenkopf und Schneeberg, vorüber an der Weißmain- quelle, nach dem aufblühenden Tröstan. Der letzte Wandertag schloß mit dem Festspiel des herrlichen Freilichttheaters auf der Luisenburg. Von Wunsiedel aus begann die Heimfahrt mit Eisenbahn.
War es mir nicht vergönnt, wegen der gebotenen Kürze des Berichtes all das Herrliche und Schöne, das wir durchlebt, durchwandert und geschaut haben, an dieser Stelle zu schildern, so mag wenigstens folgendes diese kurzen Angaben beschließen:
Gegend und Menschen wechselten auf unserer Turnfahrt, dreierlei aber blieb sich immer gleich: Die Landschaft wunderschön, die Menschen freundlich und wir guten Mutes.
K. Vetter.


