Vorbemerkung.
Im verfloſſenen Frühjahre machte mich Herr Profeſſor Dr. Dilthey in Göttingen, mein früherer Lehrer, auf eine in der Königlichen öffentlichen Bibliothek zu Dresden aufbewahrte und bisher noch nicht veröffentlichte Samm⸗ lung von Briefen Friedrich Auguſt Wolfs an Karl Auguſt Böttiger aufmerkſam. Dieſelbe wurde mir von dem Herrn Oberbibliothekar Profeſſor Dr. Schnorr von Carolsfeld in liebenswürdiger Bereit⸗ willigkeit zur Veröffentlichung überlaſſen. Bald erkannte ich, daß die Kenntnis der Antwortſchreiben Böttigers den Wert der Sammlung weſentlich erhöhen werde, teilweiſe ſogar zum Verſtändnis unerläßlich ſei. Auch dieſe Sammlung, die mit dem geſamten litterariſchen Nachlaſſe F. A. Wolfs auf der Königlichen Bibliothek zu Berlin ſich befindet, erhielt ich auf meine Bitte von der Königlichen General⸗Direktion der Bibliotheken. Allen dieſen Herren, vor allem Herrn Profeſſor Dilthey in Göttingen, der mich auch bei der Bearbeitung der Handſchriften in freund⸗ lichſter Weiſe vielfach durch ſeinen Rat unterſtützte, ſei auch an dieſer Stelle der gebührende Dank ausgeſprochen.
Die Dresdener Handſchrift enthält außer den Briefen Wolfs auch Aufzeichnungen Böttigers, und zwar niedergeſchriebene Geſpräche von Goethe, Wieland, Wolf u. a., ſowie Böttigerſche Aufſätze über Homer oder Skizzen zu ſolchen.— Der ganze in meinen Händen befindliche Stoff iſt ein ſo umfangreicher, daß ich erſt nach um⸗ faſſenderen Studien an eine Herausgabe desſelben denken kann. Ein kleiner Teil der Briefe Wolfs und einiges aus Böttigers Aufzeichnungen ſoll hier als Probe dem Ganzen vorausgeſchickt werden.— Ausgewählt habe ich alle Briefe F. A. Wolfs, die ſich auf die zur Oſtermeſſe 1795 erſchienenen Prolegomena zu Homer beziehen. Zwar werden ſie keine neuen und überraſchenden Thatſachen ans Licht bringen, doch tragen ſie zur Kenntnis jener intereſſanten Zeit in etwas bei und dürften ſchon als Zeugniſſe des reichen Geiſtes des Begründers unſerer Philologie nicht unwillkommen ſein. Die Bearbeitung iſt ſo eingerichtet, daß der Text der Briefe und zwar nur der Briefe Wolfs durchaus die Hauptſache blieb. Die entſprechenden Briefe Böttigers vollſtändig zum Abdruck zu bringen, verbot zudem die Rückſicht auf den zugemeſſenen Raum; ſie ſind daher nur zur Erklärung herangezogen, ſoweit dies unumgänglich er⸗ forderlich ſchien. Die auf die Prolegomena bezüglichen Aufzeichnungen Böttigers, welche beigegeben ſind, ver⸗ vollſtändigen das Bild..
Der Abdruck entſpricht in allen Eigentümlichkeiten genau dem Original; wo es die Lesbarkeit des Textes erforderte, ſind abgekürzte Wörter ergänzt, dieſe Ergänzungen ſtehen in eckigen Klammern[J.


