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ſein, mußte ſich ausweiſen können, daß er ſich 10 Monate vorher in den öffentlichen dazu beſtimmten Plätzen geübt hatte, und einen feierlichen Eid ablegen, daß er ſich den Geſetzen der Ehre gemäß bei dieſen Spielen betragen wolle. Alſo waren Ge⸗ meinſinn, Ehre, Vaterlandsliebe, kurz Tugenden, die das geſellige Leben auf das herrlichſte ſchmücken, mit dieſen Uebungen verbunden.
Durch das ſo eben Geſagte ſollte keineswegs der Wunſch laut werden, welchen zu verwirklichen auch ein Ding der Unmöglichkeit iſt, daß dieſe Leibesübungen in dem Grade angeſtellt werden möchten, als es bei den alten Griechen der Fall war. Die Nothwendigkeit hinſichtlich der Waffenführung fällt auch von der Zeit an ganz weg, wo man anfing, Miethsſoldaten an die Stelle der Volksbewaffnung zu ſetzen, und da in unſern Zeiten ein beſonderer Stand, der Militärſtand, im Falle eine Vertheidigung des Vaterlandes bezweckt werden ſolle, die dazu erforderlichen Leibes⸗ übungen ſich genügend aneignet. Nur ſollte mit dieſen wenigen Worten angedeutet werden, daß dieſe Uebungen auch für die ſich gelehrten Studien widmenden Jünglinge nicht ganz zwecklos erſcheinen dürften.
Eine geraume Zeit hindurch hielt der wiſſenſchaftliche Unterricht ſich ganz fern von aller Gymnaſtik, obgleich ein Reſt davon auf unſern Univerſitäten in der Fecht⸗ kunſt übrig blieb, die man als einmal eingeführt und unter öffentliche Autorität geſtellt, nicht entfernen zu dürfen glaubte.
In neuern Zeiten iſt man aber aus den angeführten Gründen wieder auf die gymnaſtiſchen Uebungen zurückgekommen und in unſerm Vaterlande ſind ſie auf dem Landes⸗Gymnaſium ſowohl, wie auf den Pädagogien ein öffentlicher Unterrichts⸗ gegenſtand geworden, da jeder Zögling, falls ihn nicht andere hier nicht näher zu erörternde Urſachen davon entbinden, an dieſen ſogenannten Turnübungen Theil zu nehmen verpflichtet iſt; bei welchen mit der größten Strenge auf das Befolgen der Turnregeln geſehen wird, ſo daß ein Mißbrauch derſelben nicht zu befürchten iſt. Der Grund, warum dieſe ſonſt als zweckmäßig anerkannten körperlichen Uebungen lange Zeit unterdrückt wurden, nämlich die Verbreitung politiſcher Grundſätze, welche wohl auch bei Wiedereinführung der Gymnaſtik bei manchen, welche dieſe Uebungen leiteten, ſich zu denſelben geſellt haben mag, fällt in unſeren Zeiten ganz hinweg, und faſt würde man ſich der Gefahr der Lächerlichkeit ausſetzen, wenn man noch etwas in dieſer Beziehung Verderbliches darin erblicken wollte.
Möge daher dieſer Gegenſtand ſich ferner der Anerkennung und des Schutzes erfreuen, den derſelbe ſeit mehreren Jahren wieder auf unſern Anſtalten zu genießen das Glück hatte und möge dieſer Unterricht bei der Jugend die von den Gründern deſſelben bezweckten für das körperliche ſowohl wie für das geiſtige Gedeihen erſprieß⸗ lichen Wirkungen hervorbringen.


