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trug. Dahin folgte ich ihm über zwei hölzerne Stufen, nachdem wir gegenſeitig freundliche Grüße ausgetauſcht.— Wie klein und drückend, wie rührend ſchlicht war nun dieſes Stübchen wieder! Ein großer Kachelofen verengt den ohnehin ſo knapp zugemeſſenen Raum noch mehr; dazu kommt ein Treppenverſchlag, Wandbänke und ein unverhältnismäßig großer Tiſch, ſo daß wenig Raum zum Hin⸗ und Herbewegen übrig bleibt. Als ich eintrat, lehnten auf den Wandbänken herum große Laibe Brot, eine Heerſchar von Fliegen ſchwärmte in der geheizten Stube durcheinander. Ich fragte nach Reliquien und Merkwürdigkeiten des Hauſes. Der Bäcker zeigte in der Stube herum und ſagte:„Ja, das iſt alles.“ Dann legte er mir das„Schilleralbum“ auf den Tiſch, damit ich meinen Namen einzeichnen möge. Aus Schillers Zeiten iſt auch kein Reſtchen Einrichtung mehr da. Eine kleine ſchwarze Büſte Schillers ziert einen Wandwinkel der Stube. Um das Poſtament derſelben iſt die Abſchrift eines längeren Gedichtes befeſtigt, das unter anderen beziehungsvollen Stellen auch die folgende enthält:
Deutſcher Barde, frei und groß, Seltſam fiel dein Schickſalslos, Bald gelobt und bald getadelt Und am End' auch noch geadelt: Ach, vergib dem Vaterland, Meiſter, ſeinen Unverſtand!—
In dem erwähnten Aufruf aber heißt es u. a.:„Es gibt einen Ort, auf dem die Manen des Dichters ſo laut als kaum anderswo nach einem würdigen Denkmal rufen, und das iſt des großen Mannes eigener Geburtsort Marbach. Wohl ſteht noch die Hütte, worin er geboren; aber ſie iſt Privatbeſitztum, ſo daß nicht einmal ihre Erhaltung in der urſprünglichen Form geſichert iſt. Wohl beſitzt Marbach ein„Schillerfeld“, das die Pietät mit Baum⸗ und Strauchwerk bepflanzte; aber gerade der Punkt des Platzes, der die weite Gegend über den Neckarſpiegel ſo ſchön beherrſcht und der wie zu einem Monument geſchaffen iſt, ſteht leer, weil die Stadt nicht die Aufbringung eines ſolchen aus eigenen Mitteln vermag. Nun, da Schillers hundertjähriger Geburtstag nahe iſt, wird die Mahnung doppelt laut, mit ganzer Kraft die Bitte an die Deutſchen auszuſprechen, daß ſie die Hand zu Spenden öffnen, um an der Wiege Schillers ein Gedächtnis zu ſtiften, das die Wünſche ſeiner Vaterſtadt wie ſeines Vaterlandes erfülle. Sei es die Erwerbung des Geburtshauſes, ſei es ein einfach würdiges Denkmal auf dem Schillerfeld, was wir durch die deutſche Teilnahme zu erreichen vermögen: wir würden vom wärmſten Dank erfüllt ſein, am hundertjährigen Geburts⸗ feſt unſeres unſterblichen Landsmannes an der Stätte ſeiner Geburt ein Erinnerungszeichen ein⸗ weihen zu können.“
Der Aufruf war u. a. unterſchrieben von den Dichtern Ludwig Uhland, Juſtinus Kerner und Eduard Mörike..
Überall in den deutſchen Landen fand der Aufruf lebhaften Anklang. Ich war damals Primaner des Gymnaſiums zu Hanau und hatte mit ſechs Kameraden ein Kränzchen, in dem wir an den Sonntag⸗Abenden hauptſächlich Schillerſche Dramen in Rollen laſen. Auch wir wurden von dem begeiſternden Gedanken erfaßt, etwas beizutragen zur Ehrung unſeres großen Dichters, und ſandten mit der Erlaubnis unſeres Direktors einen Aufruf an die deutſchen Gymnaſien, beizuſteuern zum Ankauf des Schillerhauſes in Marbach. Der Aufruf fand freudigen Widerhall, 52 deutſche


