das Gymnaſium der Vaterſtadt, ſtudierte in Bonn, Marburg, Berlin, hielt ſich läangere Zeit in London auf, kehrte dann 1854 zurück und trat in die nach dem Tode des Vaters fortgeführte Unterrichts⸗ und Erziehungsanſtalt als Lehrer ein. Von Ende 1859 bis Ende 1865 ſtand er in Gemeinſchaft mit ſeinem Schwager Ruoff an der Spitze dieſer Anſtalt, von welcher Stellung er mit Ende 1865 zurücktrat. Seitdem hat er ſich dem öffentlichen Schuldienſte, zuerſt als Vikar, dann als proviſoriſcher Lehrer an der höheren Bürgerſchule gewidmet.)
Am Ende des Sommerſemeſters verließ uns der Hilfslehrer Herr H. Schütze, welcher nach glücklichem Beſtehen des examen pro schola et rectoratu zum Rektor der Stadtſchule in Lützen ernannt worden war. Wir bedauerten lebhaft den Abgang eines Mitarbeiters, der uns in der kurzen Zeit gemeinſchaftlichen Wirkens durch pflichttreue Dienſtführung und collegialiſche Geſinnung recht werth geworden war. An ſeine Stelle trat der bisherige Lehrer an der Schule zu Bockenheim, Herr Philipp Lotz, zunächſt proviſoriſch.
Um Weihnachten erkrankte der Lehrer der Mädchenſchule, Herr Georg Schultze. Leider iſt in dem Befinden desſelben eine weſentliche Aenderung bisher nicht eingetreten, ſo daß wir ihn jeden⸗ falls vor Anfang des neuen Schuljahres zu ſeiner Thätigkeit nicht werden zurückkehren ſehen. Seine Unterrichtsſtunden ſind unter die übrigen Lehrer der Mädchenſchule vorläufig vertheilt worden.*)
Werden noch die im Laufe des Schuljahres eingetretenen Erkrankungen und Beurlaubungen der Herren Lentz, Gräf, Becker, Prof. Dr. Freſenius, Prof. Finger, Dr. Scholderer, Rau, Biebricher, Mauß, Dr. Noll, Pfeil in Anſchlag gebracht, ſo ergibt ſich leicht, daß auch das abgelaufene Schul⸗ jahr nicht frei von manchen Störungen und Hemmungen blieb, deren die Wirkſamkeit der Schule benachtheiligender Einfluß um ſo ſchwerer empfunden wurde, als es immer ſchwieriger ward, geeignete Hilfskräfte heranzuziehen.
Der Geſundheitszuſtand unſerer Schüler und Schülerinnen war im ganzen recht befriedigend. Wir haben nur zwei Todesfälle zu verzeichnen: am 6. Januar 1873 ſtarb Peter Foucar, Schüler der Klaſſe Va, am 5. Februar, Alexander Jung, Schüler der VIIIa. Gottes Troſt ſei mit den betrübten Familien!
Unſer„Maifeſt“ fiel dieſes Jahr noch wirklich in den Mai; wir hielten es am 31. Mai in altüblicher Weiſe ab, ſo daß die Mädchenſchule(Kl. I— VI) nach einer Wanderung durch den Wald ſich im Forſthauſe zu gemeinſchaftlichem Mittageſſen zuſammenfand, den Nachmittag dann in fröhlichem Spiele zu verbringen, die Klaſſen der höheren Bürgerſchule aber einzeln, oder je zwei vereint, größere Ausflüge in den Wald, an die Bergſtraße und in den Taunus unternahmen.
Am 3. und 4. Juli fand in unſerer Schule unter Vorſitz des K. Kommiſſarius, Herrn Regierungs⸗ und Schulrathes Kretſchel, und unter Aſſiſtenz des Herrn Regierungs⸗ und Schulraths Bayer die Prüfung der evangeliſchen Lehramts⸗Adſpirantinnen ſtatt; ſämmtlichen 11 Examinandinnen konnte das Zeugnis der Reife ertheilt werden.
Soeben iſt das ſchriftliche Abgangsexamen für Oſtern 1873 mit 22 Abiturienten abgehalten worden; über den Verlauf und Erfolg der Prüfung wird der nächſte Jahresbericht Mittheilung machen.
In der Entwickelung unſerer Schulverhältniſſe iſt ſeit Frühjahr 1872 manches geſchehen, theils durch vorbereitende Arbeiten organiſatoriſcher Art, theils durch neue Ordnung der Gehaltsver⸗
*) Inzwiſchen iſt unſer lieber und wackerer Kollege am 9. März von dieſer Erde geſchieden; indem wir dies hier in herzlicher Betrübnis mittheilen, behalten wir weiteres dem nächſtjährigen Programme vor.


