Aufsatz 
Zur Frage des Frankfurter Schulwesens
Entstehung
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Zur Page des Frankfurter Schulweſens.

Die Programme unſerer Schule haben in den letzten Jahren, ſeitdem durch die Ereigniſſe des Jahres 1866 die geſammte Lage des hieſigen Schulweſens eine ſo eingreifende Veränderung erfahren ſollte, in ihrem zweiten Theile, der Chronik, Jahr für Jahr Klagen und Wünſchen, Sorgen und Hoffnungen Ausdruck geben müſſen, die nicht gern oder gar leichtfertig geäußert wurden, aber nicht verſchwiegen bleiben konnten, wenn dieſe Jahresberichte irgend Anſpruch darauf machen ſollten, mehr als nur trockene Zuſammenſtellung der äußeren Vorkommniſſe im Leben der Schule zu ſein. Diejenigen Leſer freilich, welche mit freundlicher Theilnahme die Geſchichte unſerer Schule ſeit ihrem Geburtsjahre 1857 in dieſen Mittheilungen verfolgt haben, werden auch in den früheren, vor 1866 erſchienenen Einladungsſchriften und zwar faſt in allen, ſobald ſich das gar manchem bei ſeinem Erſtehen faſt unfüllbar erſchienene Schulgebäude als nicht nur gefüllt, ſondern ſogar überfüllt zu zeigen begann und von der Sorge um ausreichenden Raum ſind wir leider nur die erſten beiden glücklichſten Jahre 1857 und 1858 verſchont geblieben auf allerlei Klagen, Wünſche, Hoffnungen geſtoßen ſein, welche ſich auf eine raſchere und kräftigere Entwicklung des hieſigen öffentlichen Schul⸗ weſens bezogen. Und ganz vergebens waren dieſe Klagen und Wünſche, deren Ausdruck in den Jahresberichten auch nur der Reflex unausgeſetzter amtlicher und pflichtmäßiger Bemühungen war, doch nicht geweſen. In den letzten Jahren des ſelbſtändigen ſtaatlichen Lebens Frankfurts hatte eine lebhaftere Bewegung ſich der hieſigen Schulverhältniſſe zu bemächtigen begonnen, umfänglichere Er⸗ weiterungs⸗ und Organiſationspläne waren entworfen und traten ihrer Verwirklichung wenigſtens näher und gewährten ſo dem nicht allzu Ungeduldigen doch die tröſtliche Beruhigung, daß die Zeit des Harrens und Hoffens zu dem erſehnten Ende gelangen wolle und werde.

Aber ſeit dem Jahre 1866 hat das Kapitel der Lamentationen an Ernſt und Bedeutung leider von Jahr zu Jahr gewonnen. 1867 war, nach dem vorangegangenen Kriegsjahre mit ſeinen gewichtigen Entſcheidungen, ſelbſtverſtändlich Zurückhaltung geboten, Wunſch und Hoffnung mußten ſich auf 1868 geduldig vertagen. Aber 1868 und 1869 kamen und giengen, und die Sachlage blieb dieſelbe. Ja nicht einmal das, indem die der Schule im Jahre 1867 zu Theil gewordene Anerkennung als höherer Bildungsanſtalt in Verbindung mit der nun auch bei uns eingeführten preußiſchen Kriegsdienſtpflicht die Knabenſchule zwar weſentlich hob, aber auch den durch die Geſammtlage des Schulweſens, insbeſondere den Mangel an Schulen, verurſachten Druck erheblichſt verſtärkte. Im